Wenn die Blätter blass werden: richtig düngen ohne Überdüngung

wird sparsam: von April bis September alle sechs bis acht Wochen mit einem flüssigen Volldünger in halber Konzentration. Wer mehr gibt, riskiert verbrannte Wurzeln und welke Blätter. Typische Fehler sind häufiges Gießen aus Fürsorge, ein dunkler Standort über Monate und das Entfernen gesunder Blätter, weil sie „zu langsam” wachsen. Einzelne vergilbte Blätter sind normal, solange der Rest der Pflanze fest und grün bleibt. Erst wenn mehrere Blätter gleichzeitig weich werden, ist Handeln angesagt: aus dem Topf nehmen, weiche Rhizomteile abschneiden, Schnittstellen trocknen lassen und in frisches, trockenes Substrat setzen.

Im akuten Fall hilft nur Spülen. Dazu stellt man den Topf unter lauwarmes Wasser und lässt mehrere Liter durchlaufen, damit die Salze ausgewaschen werden. Danach die Pflanze nicht sofort wieder düngen – mindestens vier Wochen Pause. Bei stark geschädigten Wurzeln, die braun und matschig sind, muss man umtopfen und beschädigte Wurzelteile mit einer sauberen Schere entfernen.

Die Vermehrung über Kindel ist denkbar einfach. Die kleinen Ableger, die an langen Trieben hängen, lassen sich abschneiden, sobald sie eigene Wurzeln oder zumindest kleine Wurzelansätze haben. Man setzt sie in feuchte Anzuchterde oder stellt sie für ein paar Tage in ein Glas Wasser, bis sich kräftige Wurzeln gebildet haben. Ein häufiger Fehler ist, die Kindel zu früh von der Mutterpflanze zu trennen – dann vertrocknen sie, bevor sie anwachsen.

Ein weiterer häufiger Fehler ist Düngen ohne Pause. Pflanzen brauchen im Winter eine Ruhephase, in der sie kaum Nährstoffe aufnehmen. Wer trotzdem weitermacht, sammelt Salze im Substrat an. Ebenso problematisch: frisch umgetopfte Pflanzen sofort düngen. Die frische Erde enthält bereits Nährstoffe für sechs bis acht Wochen. Erst danach wieder mit dem gewohnten Rhythmus beginnen.

Standort: Zugluft und Heizungsluft trocknen die Blattspitzen aus Ein Standort über der Heizung oder direkt neben einer zugigen Tür führt zu einem ähnlichen Bild. Die Luftfeuchtigkeit sinkt dort stark ab, während die Transpiration der Blätter weiterläuft. Die Pflanze verliert mehr Wasser, als die Wurzeln nachliefern können. Die Folge sind trockene, braune Spitzen, oft zuerst an den jüngsten oder am weitesten außen liegenden Blättern. Prüfe mit einem einfachen Hygrometer die Luftfeuchtigkeit am Standort. Liegt sie dauerhaft unter vierzig Prozent, hilft es, mehrere Pflanzen zusammenzustellen oder eine Schale mit Wasser in die Nähe zu stellen. Direktes Besprühen der Blätter ist dagegen nur ein kurzfristiger Effekt und kann bei manchen Arten sogar Pilzkrankheiten begünstigen.

Schädlinge sind selten, aber Schildläuse und Wollläuse treten auf, wenn die Luft zu trocken und der Standort zu warm ist. Kontrolliere alle paar Wochen die Blattunterseiten und die Blattansätze. Befallene Stellen tupfst du mit einem in Alkohol getränkten Wattestäbchen ab; bei stärkerem Befall hilft eine gründliche Dusche und das Entfernen der befallenen Blätter. Ein Umtopfen mit frischer Erde beseitigt zusätzlich Larven im Substrat.

Blasse Blätter und stockendes Wachstum sind meist kein Zeichen von zu wenig Licht, sondern von falscher Düngung. Wer neu mit Zimmerpflanzen beginnt, neigt dazu, entweder gar nicht oder zu viel zu düngen. Beides schadet. Der folgende Text zeigt, wie oft und wie viel tatsächlich nötig ist und woran man eine Überdüngung sicher erkennt.

Die Dosierung richtet sich nach dem Produkt, nicht nach dem Gefühl. Flüssigdünger wird immer nach Herstellerangabe mit Wasser verdünnt, niemals pur in den Topf gegeben. Konzentrierter Dünger verbrennt feine Wurzeln innerhalb weniger Tage. Bei langsam wirkenden Stäbchen oder Granulaten gilt: lieber weniger als zu viel, denn sie lösen sich über Wochen auf und lassen sich nicht zurücknehmen. Wer unsicher ist, verdünnt die angegebene Menge auf die Hälfte und beobachtet zwei Wochen lang, wie die Pflanze reagiert. Vor dem Düngen sollte das Substrat feucht sein, sonst greifen die Salze die trockenen Wurzeln direkt an. Also erst gießen, dann düngen.

Das Substrat entscheidet darüber, wie gut Wasser und Luft an die Wurzeln gelangen. Verdichtete Erde aus dem Baumarkt oder alte, bereits zersetzte Substratmischungen halten Wasser wie ein Schwamm. Die Wurzeln ersticken, braune Spitzen sind die Folge. Beim Umtopfen solltest du auf eine lockere Struktur mit mineralischen Bestandteilen achten. Drücke die Erde nicht fest, sondern klopfe den Topf leicht auf, damit sich Hohlräume schließen. Ein zu großer Topf ist ebenfalls ein typischer Fehler: Die Erde trocknet dort sehr langsam ab, und die Wurzeln stehen dauerhaft im Nassen. Wähle einen Topf, der nur zwei bis drei Zentimeter größer ist als der Wurzelballen.

In der Wachstumsphase von März bis September brauchen die meisten Zimmerpflanzen alle zwei bis vier Wochen Nährstoffe. Pflanzen mit großen, dünnen Blättern wie die Monstera oder die Efeutute wachsen schnell und vertragen eine Düngergabe alle zwei Wochen. Langsam wachsende Arten wie der Gummibaum, die Grünlilie oder die meisten Kakteen kommen mit einer Gabe alle vier Wochen aus. Im Winter, von Oktober bis Februar, wird deutlich weniger oder gar nicht gedüngt, weil das Licht fehlt und die Pflanzen kaum neue Blätter bilden. Wer im Winter weiterdüngt, sammelt Salze im Substrat an, ohne dass die Pflanze sie verbraucht.

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