Zum Schärfen eignet sich eine feine Diamantfeile oder ein Schleifstein. Legen Sie die Schere geöffnet auf eine stabile Unterlage. Setzen Sie die Feile im ursprünglichen Winkel der Fase an, meist etwa 20 bis 25 Grad. Führen Sie die Feile in gleichmäßigen Zügen von der Klingenspitze zum Griff, nicht hin und her. Zu viel Druck trägt zu viel Material ab und macht die Klinge wellig. Nach fünf bis zehn Zügen prüfen Sie die Schärfe erneut. Schleifen Sie immer nur die abgeschrägte Seite, niemals die flache Rückseite – sonst entsteht eine zweite Fase, und die Schere schneidet nicht mehr. Bei gewölbten Klingen folgen Sie der Rundung mit einer runden Feile oder einem Rundstein.
Warum die Krone mehr bewegt als die Libel
Das Schneiden selbst folgt einer einfachen Regel: auf Astring oder auf eine kräftige Seitenknospe. Ein Stummel fault, ein zu tief geführter Schnitt verletzt den Ast. Dicke Äste werden zuerst von unten angesägt, dann von oben, damit die Rinde nicht einreißt. Wunden über etwa drei Zentimeter Durchmesser bleiben ohne Wundverschluss, der Baum bildet selbst eine Abschottungsschicht. Werkzeug muss scharf und sauber sein; verschmutzte Scheren übertragen Erreger von einem Baum zum nächsten.
Eine Schere lässt sich mit einer Feile in zwei Minuten nachziehen. Eine Säge verlangt mehr Aufwand, weil jeder Zahn einzeln geschärft werden muss. Bei einer Bügelsäge mit grober Zahnung reicht oft eine Rundfeile im passenden Durchmesser. Die Feile wird im gleichen Winkel geführt, in dem der Zahn ursprünglich geschliffen wurde. Zu flach gefeilt, verliert der Zahn seinen Spanraum. Zu steil gefeilt, reißt er aus. Nach fünf bis acht Feilstrichen pro Zahn ist der Grat spürbar. Ein Grat auf der Rückseite zeigt, dass genug Material abgetragen wurde.
Ein Strauch, der bis auf den Boden abgeschnitten wurde, ist nicht verloren. Anders als Nadelgehölze treiben die meisten Laubsträucher aus schlafenden Augen am Wurzelhals oder an kurzen Stummeln neu aus. Entscheidend ist, wie tief der Schnitt saß und wie vital das Wurzelsystem vorher war. Wer den falschen Zeitpunkt wählt oder den Neuaustrieb falsch behandelt, verzögert den Aufbau um Jahre.
Die Handschere sollte scharf sein und regelmäßig nachgeschärft werden. Eine stumpfe Klinge quetscht genauso wie ein Messer. Für dünne Triebe bis etwa einen Zentimeter Durchmesser reicht eine Bypass-Schere. Dickere Äste gehören in eine Astsäge, nicht in die Schere. Wer den Kirschlorbeer als Hecke zieht, schneidet mit der Schere von unten nach oben und arbeitet sich in kleinen Abschnitten vor. So bleibt die Form gleichmäßig und die Schnittfläche sauber. Nach dem Schneiden hilft es, die abgeschnittenen Triebe sofort zu entfernen, damit sich keine Pilze über die frischen Wunden ausbreiten.
Der Kirschlorbeer verzeiht viel, aber nicht alles. Wer ihn mit einem Messer schneidet, quetscht die Triebe, statt sie zu durchtrennen. Das fällt zunächst kaum auf, doch nach zwei bis drei Wochen zeigen sich braune Blattränder und eingerissene Rindenpartien. Eine scharfe Handschere arbeitet dagegen mit einem sauberen Schnitt, der die Leitungsbahnen nicht zerstört. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einem Strauch, der dicht und gesund nachwächst, und einem, der jahrelang kümmerlich vor sich hin kränkelt.
Wer den Unterschied einmal gesehen hat, greift nicht mehr zum Messer. Ein sauberer Schnitt spart späteres Ausbessern, reduziert den Krankheitsdruck und lässt den Kirschlorbeer dichter austreiben. Das Messer mag verlockend erscheinen, wenn die Schere gerade nicht zur Hand ist. Doch der Kirschlorbeer dankt es mit einem gleichmäßigen Wuchs, der über Jahre hält.
Ein Messer besitzt keine Gegenklinge. Beim Schneiden drückt es das Holz gegen die Unterlage, bis es bricht oder splittert. Die Wunde ist unregelmäßig, oft mehrere Millimeter lang aufgerissen. Pilze und Bakterien haben leichtes Spiel. Die Handschere führt dagegen zwei Klingen aneinander vorbei, ähnlich wie eine Schere beim Papier. Der Schnitt bleibt glatt und liegt genau dort, wo angesetzt wurde. Für den Kirschlorbeer ist das entscheidend, weil seine Triebe relativ weich sind und auf Quetschungen empfindlich reagieren.
Typische Fehler wiederholen sich. Viele schneiden den Kirschlorbeer mit einem elektrischen Messerbalken oder einem einfachen Küchenmesser, weil es schneller geht. Das Ergebnis sind ausgefranste Blattränder, die braun werden. Andere setzen die Schere zu tief an und entfernen ganze Astpartien, obwohl nur die Spitzen gekürzt werden sollten. Ein weiterer Fehler: das Schneiden bei Frost. Dann splittert das Holz besonders leicht, selbst mit einer guten Schere. Besser ist ein trockener, milder Tag.
Worauf es beim Schnitt wirklich ankommt Geschnitten wird am besten im zeitigen Frühjahr, bevor der Austrieb beginnt, oder direkt nach der Blüte. Ein Rückschnitt im Hochsommer ist möglich, doch dann sollte die Schere nur leicht angesetzt werden. Wichtig ist der Winkel: Ein Schnitt knapp über einem nach außen zeigenden Auge fördert eine offene, gut belüftete Krone. Ein Schnitt zu weit über dem Auge hinterlässt einen Stummel, der vertrocknet und als Eingangspforte für Krankheiten dient. Wer mit dem Messer arbeitet, kann diesen Winkel kaum kontrollieren, weil die Klinge wegrutscht.
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