Warum ein Schnitt ohne Licht nach hinten losgeht

Woran man die kritische Zone erken

Der dritte Schnitt ist der eigentliche Feinschnitt. Er entfernt den verbliebenen Stummel bis kurz vor dem Stamm, ohne den Astring zu verletzen. Hier arbeitet man von unten nach oben oder seitlich, je nachdem, wie der Stummel steht. Ein häufiger Fehler ist, den Stummel bündig mit dem Stamm abzusägen. Der Astring und die umgebende Wulst sind das einzige Gewebe, das die Wunde schnell überwallt – schneidet man sie weg, bleibt eine offene Fläche, die Jahre braucht, um zu verheilen.

Nach dem Schnitt kontrollieren Sie die Wunden in den folgenden zwei Wochen. Austretender Gummifluss oder dunkle Verfärbungen zeigen, dass der Zeitpunkt falsch war oder das Werkzeug unsauber. Reagieren Sie dann nicht mit Nachschneiden, sondern lassen Sie die Stelle trocknen. Ein leichter Weißanstrich des Stammes schützt vor Temperatursprüngen, ersetzt aber nicht den richtigen Schnittzeitpunkt. Wer diese Reihenfolge einhält, erhält eine Fassade, die Risse, Frostrisse und Pilzbefall deutlich länger abweist als bei einem Schnitt im Herbst.

Bei sehr schweren Ästen lohnt es sich, das Gewicht vor dem dritten Schnitt zu stützen oder den Ast vorher abzuspannen. Ein Seil, das den Ast leicht anhebt, verhindert, dass er beim letzten Schnitt unkontrolliert abrutscht und die Säge einklemmt. Auch die Wahl der Säge spielt eine Rolle: Eine scharfe Bügelsäge mit grober Zahnung schneidet schneller und sauberer als eine stumpfe oder zu feine Klinge, die zum Verkanten neigt.

Der zweite Grund ist die Luft. Dichte Kronen halten Feuchtigkeit, und feuchte Blätter sind die Eintrittspforte für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau. Ein gut belüfteter Baum trocknet nach Regen und Tau schnell ab. Beim Schnitt gilt: Entferne zuerst alle nach innen wachsenden Triebe, dann die sich kreuzenden und die scheuernden. Steil nach oben schießende Wasserschosse kosten Kraft, ohne Früchte zu bringen, und beschatten das Frucht Holz. Schneide sie nicht bündig am Stamm ab, sondern auf einen flachen Zapfen, damit die Wunde gut verheilt.

Ein Schnitt im Spätwinter ist kein gewöhnlicher Rückschnitt. Zwischen Ende Februar und Mitte März, bevor die Knospen deutlich anschwellen, befinden sich Gehölze in einer Phase, in der Wunden zwar langsam, aber zuverlässig abschotten. Wer in dieser Zeit schneidet, nutzt einen physiologischen Moment: Der Saftdruck ist gering, die Verdunstung über die Schnittfläche minimal, und das Kambium beginnt kurz darauf mit der Überwallung. Genau deshalb hält die Fassade – gemeint ist die äußere Kronen- und Rindenstruktur eines Baumes oder Strauchs – am längsten, wenn der Schnitt jetzt erfolgt und nicht im Herbst oder Hochsommer.

Nach dem Abtragen bleibt eine Wunde, die nicht gestrichen werden muss. Alte Wundverschlussmittel behindern die natürliche Heilung eher, als sie zu fördern. Entscheidend ist, dass der Schnitt sauber und die Rinde am Stamm unverletzt ist. Wer die drei Schnitte beherrscht, trägt auch dicke Äste sicher ab, ohne den Baum dauerhaft zu schädigen.

So gehen Sie konkret vor Entfernen Sie zuerst alle abgestorbenen, kranken und sich kreuzenden Äste. Schneiden Sie auf Astring, also direkt am Stamm oder an einer kräftigen Hauptachse, ohne Stummel stehen zu lassen. Ein Stummel fault zurück und öffnet Pilzen die Tür. Bei starken Ästen arbeiten Sie in zwei Schritten: erst von unten einsägen, dann von oben durchtrennen, damit die Rinde nicht einreißt. Werkzeug vorher desinfizieren, danach nicht mit Wundverschlussmittel großzügig verschmieren – bei Kirschen behindert das oft die natürliche Abschottung.

Nach dem Schnitt die Schnittstellen beobachten. Saubere, glatte Wunden am Astring überwallen innerhalb einer Vegetationsperiode. Reißt die Rinde ein oder bildet sich klebriger Gummifluss, war der Schnitt zu spät oder das Werkzeug nicht scharf. Dann im Folgejahr an der gleichen Stelle nicht nachschneiden, sondern den Baum erst beruhigen lassen. Wer diese Reihenfolge einhält, erntet nicht nur regelmäßiger, sondern hält den Baum auch über viele Jahre gesund.

Ein Obstbaum trägt nur dort Früchte, wo ausreichend Licht auf die Blätter und Knospen fällt. Wer regelmäßig schneidet, hält die Krone offen, damit die Sonne bis ins Innere gelangt. Ohne Licht bleiben die inneren Partien kahl, die Früchte reifen nur am Rand und schmecken wässrig. Der Schnitt ist also kein Selbstzweck, sondern eine Lichtmaßnahme. Wer das versteht, hört auf, wahllos Zweige zu kürzen, und richtet den Blick auf die Verteilung der Äste.

Der zweite Schnitt trennt das Gewicht ab Der zweite Schnitt erfolgt von oben, einige Zentimeter weiter außen als die Kerbe. Beim Sägen trifft die Schnittlinie auf den ersten Einschnitt, der Ast knickt sauber ab und fällt kontrolliert zu Boden. Wichtig ist der Abstand: Schneidet man zu nah an der Kerbe, verkeilt sich das Blatt, schneidet man zu weit außen, bleibt ein unhandlicher Stummel stehen. Als Faustregel gilt, dass die Kerbe etwa ein Drittel des Astdurchmessers tief sein sollte und der zweite Schnitt deutlich außerhalb davon liegt.

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