Wenn der Rebstock blutet: warum das meist harmlos ist

Die Einstellung ist genauso wichtig wie die Schärfe. Zwischen Klinge und Gegenklinge muss ein minimales Spiel bleiben, sonst reiben die Flächen aufeinander und werden schnell stumpf. Ist die Schraube zu locker, weicht die Klinge beim Schneiden aus und quetscht den Zweig. Ziehen Sie die Schraube so an, dass die Schere gerade noch leichtgängig schließt, aber kein Lichtspalt zwischen den Klingen sichtbar ist. Bei manchen Modellen lässt sich die Gegenklinge mit einer zweiten Schraube justieren. Prüfen Sie nach jeder Änderung den Schnitt an einem weichen Zweig.

Nach dem Austrieb der ersten Blätter lässt der Blutfuss in der Regel von selbst nach. Die Pflanze reguliert sich, sobald sie Wasser über die Blätter verdunsten kann. Ein gesunder Rebstock steckt das problemlos weg. Erst wenn zusätzlich Welke, Flecken oder Wachstumsstillstand auftreten, sollte man an eine Pilz- oder Bakterieninfektion denken und die betroffenen Triebe entfernen. In den meisten Fällen bleibt das Bluten also ein harmloses Schauspiel, das man gelassen beobachten kann.

Typische Fehler sind zu tiefe oder ausgefranste Schnitte, die die Wunde vergrößern, sowie das Abreißen statt Abschneiden von Trieben. Auch das Verschließen der Wunde mit Wachs oder Farbe bringt meist nichts – der Druck sucht sich einen anderen Weg. Besser ist es, die Rebe einfach bluten zu lassen und für gute Bodenverhältnisse zu sorgen. Staunässe verstärkt den Druck, gut drainierter Boden reduziert ihn. Wer unsicher ist, sollte den Saft beobachten: Klar und dünn bedeutet Entwarnung, trüb und zäh bedeutet Handlungsbedarf.

Zuerst weichen immer die Äste, die eindeutig krank, abgestorben oder gebrochen sind. Ebenso entfernt man alle Triebe, die nach innen wachsen, sich kreuzen oder aneinander reiben. Solche Reibungsstellen sind Eintrittspforten für Pilze und Bakterien. Auch sogenannte Wasserreiser – senkrecht nach oben schießende, unverzweigte Triebe – kommen zuerst weg. Sie tragen kaum Früchte und nehmen nur Licht. Ein weiterer Kandidat für den ersten Schnitt: Äste, die steil nach oben wachsen und mit dem Stamm einen spitzen Winkel bilden. Sie brechen später leichter unter der Fruchtlast.

Wer das Bluten begrenzen will, kann den Schnittzeitpunkt anpassen. Solange die Rebe noch vollständig in Winterruhe ist und keine starken Fröste drohen, sind Schnitte unproblematisch. Wer erst kurz vor dem Austrieb schneidet, riskiert stärkeres Bluten. Das ist jedoch selten ein Grund zur Sorge. Ein bewährter Trick: Schneiden Sie nicht bei Sonnenschein und milden Temperaturen, sondern an einem kühleren, bedeckten Tag. Dann startet der Wurzeldruck langsamer.

Wann das Bluten harmlos bleibt und wann nicht Harmlos ist es, solange der Saft klar ist, nicht fault und die Wunde nicht großflächig aufreißt. Ein leichter Austritt an dünnen Trieben oder frischen Schnitten schadet dem Rebstock nicht. Kritisch wird es, wenn der austretende Saft trüb, schleimig oder übelriechend ist. Dann können Bakterien oder Pilze in die Wunde eingedrungen sein. Ebenso problematisch: Wenn das Bluten nach dem Austrieb der Knospen noch massiv anhält, verliert die Rebe unnötig Energie und Nährstoffe. In solchen Fällen sollte man die Pflanze genauer kontrollieren.

Kaum sind die ersten warmen Tage im späten Winter oder zeitigen Frühjahr da, tropft es aus frischen Schnittwunden am Rebstock. Der austretende Saft ist dünn und klar bis leicht trüb, oft etwas klebrig. Dieses Phänomen heißt Bluten oder Tränen der Rebe. Es tritt auf, wenn der Wurzelfdruck nach dem Winter wieder steigt und Wasser samt gelösten Nährstoffen nach oben drückt. Da die Pflanze noch kein Laub hat, das Wasser verdunsten könnte, sucht sich die Flüssigkeit den Weg über offene Wunden.

Prüfen Sie zuerst den Zustand der Schneide. Halten Sie die Schere gegen das Licht und schauen Sie sich die Schneidfase an. Ist sie rund und glänzend statt scharfkantig, fehlt Material. Testen Sie mit einem Stück Zeitungspapier: Ein sauberer Schnitt durch das Papier gelingt nur, wenn die Klinge wirklich scharf ist. Reißen oder knicken die Fasern, ist Schleifen fällig. Achten Sie auch auf Kerben oder Ausbrüche, die durch Draht oder harte Zweige entstanden sind. Solche Schäden lassen sich nur mit einer Feile ausgleichen.

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt „auf Auge” bei jungen Bäumen. Wer die Spitze des Mitteltriebs kappt, provoziert eine Krone aus Konkurrenztrieben. Besser lässt man den Mitteltrieb durchlaufen und entfernt nur Konkurrenztriebe, die ihn überragen. Bei älteren Bäumen mit dichtem Kronendach reicht es oft, zwei bis drei starke Äste über mehrere Jahre verteilt herauszunehmen. Wer alles auf einmal schneidet, erntet im nächsten Jahr fast nichts und im übernächsten einen Busch aus Reisig.

Ein typischer Fehler ist das Justieren unter Zug oder Druck. Wer während des Einstellens auf die Waage drückt oder sie festhält, verändert die Nullage. Ebenso falsch: das Justieren an nur einem Ende der Skala. Die Balance muss über den gesamten Bereich stimmen. Dazu ein bekanntes Gewicht auflegen, die Anzeige notieren, dann das gleiche Gewicht an einer anderen Position setzen. Weicht das Ergebnis ab, sitzt die Krone nicht sauber oder die Schneide ist verschmutzt.

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