Warum Ziergräser beim Schneiden vor dem Austrieb verfaulen

Im Sommer ist nur wenig Korrektur nötig. Der eine Trieb wird an einem Draht oder einer Stütze hochgebunden, damit er nicht abbricht. Blätter im Bereich der Traubenzone werden vorsichtig ausgedünnt, aber nicht übermäßig. Zu viel Entblätterung führt zu Sonnenbrand auf den Beeren. Der Trieb selbst darf nicht eingekürzt werden, solange er wächst, denn jede Kürzung kostet Ertrag. Erst nach der Lese oder im darauffolgenden Winter wird dieser Trieb wieder auf ein einziges Auge zurückgeschnitten. So bleibt der Stock dauerhaft in einem festen Rhythmus: ein Auge, ein Trieb, eine Ernte.

Zuerst werden alle Triebe entfernt, die flach über dem Boden kriechen, sich gegenseitig kreuzen oder in die Mitte des Strauchs wachsen. Danach nimmt man die ältesten Ruten heraus: Sie sind dick, grau, oft rissig und tragen nur kurze Seitentriebe. Diese Ruten werden bodennah abgeschnitten, ohne den Wurzelhals zu verletzen. Von den jüngeren Trieben bleiben die kräftigsten fünf bis acht stehen, gleichmäßig über den Strauch verteilt. Alle übrigen werden ebenfalls entfernt. Ein zu dichter Strauch ist die häufigste Ursache für Mehltau und kleine Früchte.

Daraus folgt die eigentliche Regel: Die Zahnung der Säge muss auf den Zustand des Holzes abgestimmt sein. Für frisches, saftiges Holz genügt eine grobe Zahnung mit weiten Spanräumen, weil die Späne leicht abgeführt werden. Totholz verlangt eine feinere, aber scharf geschliffene Zahnung. Die Zähne müssen mit ihrer Schneidkante das Holz durchtrennen, nicht mit der Spitze ausbrechen. Ein stumpfes Sägeblatt erhitzt sich, verläuft in der Schnittfuge und reißt die Randfasern auf. Wer hier mit Gewalt nachhilft, verbiegt das Blatt und erzeugt einen Schnitt, der später nicht mehr zu glätten ist. Der Anwender merkt das an drei Zeichen: Der Schnitt knistert statt zu sirren, das Blatt wird warm, und der Sägeschnitt wandert seitlich aus der Linie.

Ziergräser schneidet man nicht im Herbst, sondern erst kurz vor dem neuen Austrieb. Wer die Halme im Oktober oder November abschneidet, öffnet dem Frost und der Nässe den Weg direkt ins Herz der Pflanze. Die alten Halme sind kein Zierrat, sondern ein Schutzmantel. Sie halten Laub zusammen, leiten Wasser ab und puffern Temperaturschwankungen. Wer sie zu früh entfernt, riskiert, dass der empfindliche Vegetationskegel — der Punkt, aus dem im Frühjahr alle neuen Halme treiben — erfriert oder verfault.

Der richtige Zeitpunkt für den Schnitt ist entscheidend. Ideal ist der späte Winter oder das zeitige Frühjahr, bevor die Knospen schwellen. Ein Schnitt im Herbst oder während der Vegetationsperiode schwächt den Baum und fördert die Ausbreitung von Krankheiten wie dem Scharka-Virus. Wer im Sommer schneidet, riskiert zudem, dass die Wunden schlecht verheilen und Pilze eindringen. Also: Warten Sie, bis die stärksten Fröste vorbei sind, aber die Knospen noch geschlossen sind. Dann ist der Baum in der Lage, die Schnittwunden schnell zu verschließen.

Nach dem Schnitt sollte der Boden nicht gemulcht werden, solange Nachtfröste drohen. Eine dünne Schicht Kompost oder Laub direkt über dem Horst hält die Feuchtigkeit zu lange und fördert Fäulnis. Besser ist es, den Schnitt bei trockenem Wetter durchzuführen und die Reste vollständig zu entfernen. Bleiben Halmstücke auf dem Boden liegen, können sie Schimmel ansetzen und die jungen Triebe infizieren. Wer die Halme kompostiert, sollte sie vorher häckseln, damit sie schneller verrotten.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Gießen direkt nach dem Schnitt. Die frisch geöffneten Schnittstellen saugen Wasser auf und faulen leicht. Warten Sie zwei bis drei Tage, bis die Schnittflächen abgetrocknet sind. In Regionen mit späten Frösten kann ein Vlies über Nacht helfen, aber nur, wenn es morgens wieder entfernt wird. Staunässe unter dem Vlies ist schlimmer als kurze Kälte. Kontrollieren Sie den Horst nach zwei Wochen: Faule, braune Stellen im Inneren zeigen, dass zu früh oder zu tief geschnitten wurde. Dann bleibt nur, die betroffenen Teile großzügig herauszuschneiden und auf den nächsten Austrieb zu hoffen.

Fugen und Risse sind der eigentliche Schwachpunkt. Prüfen Sie vor dem Entfernen des Efeus, ob Mörtel bereits locker sitzt. Klopfen Sie mit dem Griff eines Schraubendrehers entlang der Fugen. Klingt es hohl, entfernen Sie den losen Mörtel von Hand, bevor Sie die Ranken anfassen. Andernfalls ziehen Sie mit dem Efeu auch die Fugen heraus. Anschließend können Sie die Fugen mit einem passenden Mörtel wieder schließen – aber erst, wenn die Wand trocken ist.

Wie man den Schnitt ausführt, ohne das Herz zu verletzen Schneiden Sie nicht auf den Boden ab, sondern lassen Sie etwa eine Handbreit über dem Horst stehen. Diese Stoppeln markieren den Neuaustrieb und verhindern, dass Sie beim späteren Hacken oder Gießen den Wurzelstock verletzen. Binden Sie den Horst vor dem Schnitt mit einem Seil oder einer Schnur zusammen, damit die Halme nicht auseinanderfallen und Sie eine saubere Schnittfläche erhalten. Ein scharfes, desinfiziertes Werkzeug — eine Gartenschere oder eine Heckenschere mit sauberer Klinge — ist Pflicht. Quetschungen an den Halmen sind Eintrittspforten für Pilze.

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