Die Saftwaage und der Blick auf die Triebwinkel Gerüststämme sind die drei bis vier starken Seitentriebe, die später das Tragwerk der Krone bilden. Sie sollten in unterschiedlichen Höhen ansetzen und flach vom Stamm abgehen. Ein flacher Winkel von etwa 45 bis 60 Grad bedeutet feste Verbindung und gute Fruchtbarkeit. Steile Triebe, die spitz nach oben schieben, wachsen stark im Holz und tragen wenig. Sehr flache, fast waagerechte Triebe vergreisen dagegen und bleiben schwach. Beim Lesen des Aufbaus achtet man zuerst auf diese Winkel, dann auf die Länge. Ein kurzer, flach stehender Trieb ist wertvoller als ein langer, steiler Konkurrent des Leittriebs.
Ein häufiger Fehler ist der radikale Verjüngungsschnitt. Viele glauben, eine zu groß gewordene Thuja einfach auf die halbe Höhe kürzen zu können, ähnlich wie bei anderen Gehölzen. Das funktioniert bei Thuja nicht. Die Pflanze treibt aus dem alten Holz nicht wieder aus, und die Hecke bekommt dauerhaft braune, kahle Stellen. Besonders problematisch ist das an der Seite, wo die Hecke oft bis zum Stamm zurückgeschnitten wird. Besser ist es, die Hecke von Anfang an regelmäßig und moderat zu formen, damit gar kein tiefes Eingreifen nötig wird.
Wer den Aufbau lesen kann, schneidet nicht nach Schema, sondern nach Reaktion. Ein Baum, der im Vorjahr stark zurückgeschnitten wurde, treibt wild aus. Ein Baum, der nie geschnitten wurde, hat oft einen Leittrieb, der längst nicht mehr der stärkste ist, weil ein Seitentrieb ihn überholt hat. In diesem Fall wählt man den kräftigsten, senkrecht stehenden Trieb als neuen Leittrieb und entfernt den alten. Der Schnitt erfolgt immer knapp über einer nach außen zeigenden Knospe, damit der neue Austrieb nach außen wächst und nicht in die Krone hinein.
Bleiben nur zehn bis zwanzig Zentimeter über dem Boden stehen, bilden sich die neuen Triebe fast ausschließlich aus dem Wurzelhals. Das ist der kräftigste, aber auch der ungleichmäßigste Neuaustrieb. Lässt man dagegen einen kurzen Rahmen aus einigen kräftigen Leitaststummeln stehen, treibt der Strauch kontrollierter und in der gewünschten Höhe aus. Diese Stummel sollten nicht länger als eine Handspanne sein, sonst verkahlen sie von innen und die Pflanze sieht dauerhaft gerupft aus.
Die richtige Grenze erkennen und den Schnitt setzen Vor jedem Schnitt prüft man die Zweige genau. Man sucht die Stelle, an der die grünen Nadeln in den braunen, verholzten Teil übergehen. Nur oberhalb dieser Grenze darf die Schere angesetzt werden. Ein guter Richtwert: Bleibt nach dem Schnitt noch ein kurzer grüner Stummel von einigen Zentimetern stehen, treibt die Thuja zuverlässig wieder aus. Schneidet man dagegen bis auf das nackte, braune Holz zurück, bleibt die Lücke bestehen. Wer unsicher ist, schneidet lieber in zwei Etappen: erst ein Stück, dann nach einigen Wochen nachjustieren, wenn der Austrieb sichtbar ist.
Wer eine Thuja dennoch stark reduzieren muss, sollte mit Bedacht vorgehen. Ein Rückschnitt in mehreren Jahren, immer nur bis kurz vor die braune Zone, kann die Pflanze langsam verkleinern, ohne sie zu zerstören. Dabei wird jedes Jahr nur so viel weggenommen, dass noch genügend grüne Triebe stehen bleiben. Ist eine Stelle bereits bis ins alte Holz zurückgeschnitten, hilft nur Abwarten: Manchmal treibt die Thuja nach ein bis zwei Jahren doch noch schwach aus, oft aber bleibt die Lücke. In solchen Fällen kann man benachbarte Zweige vorsichtig heranziehen und mit einem Band fixieren, damit sie die kahle Stelle überwachsen.
Der beste Schutz vor Problemen ist der richtige Schnittzeitpunkt und die richtige Technik. Thuja schneidet man am besten im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb oder Ende Juni, wenn der erste Zuwachs abgeschlossen ist. Ein Schnitt im Herbst ist ungünstig, weil die Pflanze dann nicht mehr genug Kraft für die Wundheilung hat. Außerdem sollte man immer mit scharfem Werkzeug arbeiten und keine zerfetzten Schnittstellen hinterlassen. Wer diese Regeln beachtet, hält seine Thuja gesund und vermeidet den einen Fehler, den sie nicht verzeiht: den Schnitt bis tief ins alte Holz.
Wer merkt, dass er den Arm strecken muss, sollte die Leiter versetzen. Das kostet zwei Minuten, verhindert aber, dass die Säge springt oder der Cutter abrutscht. Ein sicherer Schnitt braucht kurze Wege, gebeugte Gelenke und eine stabile Standfläche. Alles andere ist kein Arbeitstempo, sondern ein Risiko.
Thuja ist ein zuverlässiger Nadelbaum für Hecken, doch sie hat eine Eigenschaft, die viele Gartenbesitzer unterschätzen: Sie treibt aus altem Holz kaum oder gar nicht wieder aus. Wer eine Thuja stark zurückschneidet, bis nur noch braune, kahle Zweige übrig bleiben, wird dort in den meisten Fällen keinen neuen Austrieb mehr sehen. Die Pflanze stirbt an dieser Stelle nicht sofort ab, aber sie bleibt dauerhaft kahl. Diese Grenze zwischen grünem und braunem Holz ist der entscheidende Punkt bei jedem Schnitt.
Der Grund liegt im Aufbau der Thuja. Junge, grüne Triebe besitzen schlafende Augen, aus denen die Pflanze nach einem Schnitt neu austreiben kann. Ältere, verholzte Bereiche verlieren diese Fähigkeit. Wird bis in dieses alte Holz geschnitten, fehlen die Knospen, aus denen neues Grün entstehen könnte. Die Thuja bildet dann nur noch spärlich oder gar keinen Austrieb. Deshalb gilt: Ein Rückschnitt ist nur so tief möglich, wie grüne, lebende Nadeln vorhanden sind.
If you cherished this informative article and you wish to acquire more information regarding Quelle generously visit our web site.
