Typische Fehler entstehen, wenn nur auf den Stoff geachtet wird. Eine 100er Nadel in feinem Baumwollstoff mit 120er Faden mag auf den ersten Blick funktionieren, doch die Einstichlöcher bleiben sichtbar und die Naht wirft Falten. Umgekehrt reißt ein 30er Faden in einer 70er Nadel ständig, weil er im Öhr klemmt. Prüfe vor dem Nähen immer beide Werte: Fadenstärke und Stoffgewicht. Erst wenn beide zusammenpassen, stimmt auch das Stichbild.
Als Ausgangspunkt gilt eine einfache Regel: Die Nadelstärke sollte etwa dem Doppelten des Fadendurchmessers entsprechen, gemessen in Hundertstelmillimetern. Ein Faden der Stärke 40 – also 0,40 Millimeter – verlangt eine Nadel der Stärke 80. Bei Stickfäden der Stärke 60 passt eine 90er oder 100er Nadel. Diese Faustformel ersetzt kein Ausprobieren, verhindert aber grobe Fehlgriffe. Für jeden neuen Faden also erst den Durchmesser bestimmen, dann die Nadel wählen, nicht umgekehrt.
Typische Fehler: zu viel Hitze, zu viel Dampf, zu langes Bügeln oder eine falsche Einlage für elastische Stoffe. Auch ein Zuschnitt mit der Schere direkt an der Franse ohne Einlage hält nicht. Wer den Saum nur mit Klebeband fixiert, riskiert, dass sich das Band beim Waschen löst. Besser ist eine dauerhafte Lösung mit Vlieseline. Nach dem Aufbügeln kann die Kante mit einem Zickzack-Stich oder einer Overlocknaht versäubert werden. Das ist aber optional, denn die Einlage stabilisiert bereits.
Typische Fehler: Zuerst bügeln und dann merken, dass das Band verrutscht ist. Oder zu viel Dampf verwenden, wodurch der Kleber nicht haftet. Auch ein zu heißes Eisen verbrennt den Stoff oder lässt das Vlieseline schmelzen. Arbeite deshalb immer mit einem Bügeltuch dazwischen. Ein weiterer Fehler ist, das Band auf der rechten Stoffseite zu platzieren. Es gehört immer nach innen, sonst ist die Reparatur später sichtbar.
Ein weiterer typischer Fehler ist die falsche Nadel. Eine verbogene, stumpfe oder für den Stoff zu dünne Nadel zieht den Faden schief nach unten und verursacht Schlaufen, die wie ein Unterfadenproblem aussehen, aber keines sind. Nadel wechseln, dabei die flache Seite korrekt nach hinten oder je nach Maschinentyp nach vorn ausrichten und die Nadel bis zum Anschlag in die Halterung schieben. Auch die Stichlänge und der Nähfußdruck spielen hinein: Bei zu geringem Nähfußdruck hebt der Stoff beim Stich leicht ab, der Faden kann sich nicht sauber abziehen.
Die Reihenfolge der Arbeitsschritte entscheidet über das Ergebnis. Zuerst werden die beiden kurzen Kanten der Rückseitenbahnen jeweils zweimal umgebügelt und knapp abgesteppt. Danach legt man die Vorderseite mit der schönen Seite nach oben auf den Tisch, darauf die längere Rückseitenbahn mit der schönen Seite nach unten, dann die kürzere Bahn ebenfalls mit der schönen Seite nach unten, sodass die Kanten überlappen. Alle vier Außenkanten werden mit Stecknadeln fixiert und mit einer geraden Naht geschlossen. Die Ecken vor dem Wenden knapp abschneiden, damit sie sich sauber ausformen.
So geht man beim Dekatieren Schritt für Schritt v
Stoff und Faden gemeinsam prüfen Der Stoff bestimmt die Nadelspitze, der Faden die Nadelstärke. Bei festem Gewebe wie Jeans, Canvas oder Leder braucht es eine kräftige Nadel mit Schneidspitze, die das Material durchdringt, ohne es zu verschieben. Feine, glatte Stoffe wie Seide, Chiffon oder Batist verlangen dünne Nadeln mit runder Spitze, die zwischen die Fasern gleitet, statt sie zu durchtrennen. Ein dicker Faden in dünnem Stoff erzeugt Löcher, die sich nicht mehr schließen – hier muss der Faden dünner werden, nicht die Nadel dicker.
Die Einfädelung entscheidet mehr als jede Reglerstellung Häufigste Ursache für Schlaufen ist eine falsch eingefädelte Spulenkapsel. Der Unterfaden muss durch die vorgesehene Nut unter der Blattfeder laufen, nicht einfach zwischen Kapsel und Spule klemmen. Wer die Kapsel falsch herum einsetzt oder den Faden nicht in die Führung legt, erzeugt Schlaufen, die der Regler nie ausgleichen kann. Ebenso wichtig ist die Oberfadenführung: Läuft der Faden nicht durch alle Fadenführungen, Spannungscheiben und die Nadelöse in der richtigen Reihenfolge, bleibt die Spannung unkontrolliert. Besonders die letzte Führung direkt über der Nadel wird oft übersehen, weil sie beim Einfädeln mit der Nadel hochgezogen wurde.
Wenn der Unterfaden auf der Unterseite des Stoffes Schlaufen bildet und der Fadenspannungsregler scheinbar keine Wirkung zeigt, liegt das Problem fast nie an der Einstellung selbst. Der Regler an der Vorderseite der Maschine steuert nur den Oberfaden. Der Unterfaden läuft durch eine separate Spulenkapsel mit eigener Spannung, die über eine kleine Blattfeder oder Schraube justiert wird. Wer also am Regler dreht, während die Unterfadenspannung falsch ist, verändert nur die Oberfadenspannung und macht das Bild auf der Unterseite schlimmer statt besser.
Die Nadelstärke folgt nicht dem Stoff allein und auch nicht dem Faden allein. Sie ergibt sich aus dem Zusammenspiel beider: Ein feiner Faden in einer zu dicken Nadel rutscht unkontrolliert durch das Öhr und hinterlässt keine saubere Naht. Ein dicker Faden in einer zu dünnen Nadel füllt das Öhr vollständig aus, reibt am Metall und franst bereits nach wenigen Stichen aus. Wer beide Größen aufeinander abstimmt, näht gleichmäßiger und schont die Maschine.
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