Vor dem ersten Schnitt wird die Schnur gesetzt. Zwei stabile Stäbe — Holz oder Metall, mindestens so hoch wie die gewünschte Endhöhe — werden an den beiden Enden der Hecke in den Boden geschlagen. Sie müssen lotrecht stehen, sonst wandert die Schnur und mit ihr die Kante. Zwischen beiden wird die Schnur auf die Zielhöhe gespannt. Ein Helfer oder eine zweite Schnur in gleicher Höhe auf der Gegenseite erleichtert die Kontrolle, weil man von beiden Seiten peilen kann. Wer nur eine Schnur spannt, sieht die Abweichung erst, wenn es zu spät ist.
Ein Wasserschosser ist keine Krankheit, sondern eine Wachstumsreaktion. Er bleibt meist vegetativ, das heißt, er bildet nur Blätter und keine Fruchtknospen. Weil er sehr schnell und dick wird, entzieht er dem Rest der Krone Licht und Nährstoffe. Wer ihn einfach stehen lässt, bekommt eine dichte, dunkle Krone, in der die Früchte kleiner bleiben und Pilzkrankheiten leichter Fuß fassen.
Was mit Wasserschossern im Lauf der Jahre passiert Ein junger Wasserschosser ist weich und grün. Wird er nicht geschnitten, verholzt er nach zwei bis drei Jahren und wird zu einem festen Ast. Dann trägt er zwar Blätter, aber weiterhin kaum Früchte. Erst nach mehreren Jahren können sich an seiner Basis oder an Seitentrieben Blütenknospen bilden. Bis dahin hat er aber bereits viel Kraft verbraucht und die Form der Krone verändert. Die häufigste Folge: Der Baum wird höher und breiter, die Ernte wandert nach oben, und die unteren Bereiche verkahlen.
Ein weiterer Fehler: den Schnitt mit dem Rasenmäher erledigen. Das funktioniert bei sehr niedrigen Sorten, quetscht aber die Halme und hinterlässt unsaubere Schnittstellen. Besser ist eine scharfe Schere. Wer unsicher ist, ob die Pflanze überhaupt einen Rückschnitt braucht, lässt einzelne Halme stehen und beobachtet den Neuaustrieb. Immergrüne Arten wie Seggen oder einige Carex-Sorten werden nur bei Bedarf geschnitten, meist im Frühjahr, um braune Spitzen zu entfernen. Wer im Herbst schneidet, verliert den natürlichen Winterschutz und muss damit rechnen, dass die Pflanze im Frühjahr nicht mehr austreibt. Das ist der teuerste Fehler, weil er sich nicht korrigieren lässt.
Eine Hecke, die oben schmaler ist als unten, steht stabiler, gesünder und lässt sich leichter in Form halten. Der Grund liegt in der Lichtverteilung: Fällt Sonnenlicht auf eine senkrechte Wand, erreicht es nur die obersten Triebe. Die unteren Partien liegen im Schatten, verlieren Blätter und verkahlen. Schneidet man dagegen die Seiten schräg, sodass die Hecke unten breiter bleibt, trifft Licht auch tiefere Bereiche. Das fördert den Austrieb bis zum Boden und verhindert die typische „Besenform” mit kahlen Flanken.
Wasserschosser sind lange, senkrecht nach oben wachsende Triebe, die aus schlafenden Augen am mehrjährigen Holz austreiben. Sie entstehen, wenn der Baum stark wächst, aber das Wachstum nicht auf Fruchtknospen verteilt wird. Typische Auslöser sind ein starker Rückschnitt, zu viel Stickstoff, ein junger Baum im Aufbau oder eine Verletzung der Rinde. Der Baum reagiert auf den Saftdruck mit einem Notventil: Er schiebt das überschüssige Wachstum in einen Trieb, der schnell Höhe macht, aber kaum Blüten ansetzt.
Nach dem Schnitt etwas Kompost oder Laub zwischen die Halme geben, aber nicht anhäufen. Das schützt das Herz vor späten Frösten und versorgt die Pflanze mit Nährstoffen. Gegossen wird erst, wenn der neue Austrieb sichtbar ist. Ein trockener Standort nach dem Schnitt ist besser als Staunässe, denn das Herz fault leicht. Wer diese Reihenfolge einhält, hat kräftige Horste und keine Ausfälle. Der Schnitt vor dem Austrieb ist keine Frage des Geschmacks, sondern eine Frage des Schutzes. Der Halm schützt das Herz, und das Herz entscheidet über den Austrieb.
Ein häufiger Fehler ist das Arbeiten von oben nach unten. Die oberen Ranken fallen dann auf die unteren und reißen sie mit. Besser beginnt man unten und arbeitet sich in Bahnen nach oben. Ein zweiter Fehler ist der Einsatz von Drahtbürsten oder Hochdruckreinigern. Beide zerstören die Oberfläche und hinterlassen Kratzspuren, die später Feuchtigkeit aufnehmen. Wer die Ranken anschließend kompostieren will, sollte sie vorher zerkleinern, sonst treiben die Haftwurzeln in feuchter Umgebung erneut aus.
So wird der Rückschnitt ausgeführt, ohne das Herz zu verletzen Zuerst das Gras zusammenraffen. Am einfachsten mit einem Gummiband oder einer Schnur um den gesamten Horst, etwa eine Handbreit über dem Boden. Danach mit der Astschere oder einer scharfen Heckenschere den gesamten Bund durchtrennen. Nicht auf das Herz schneiden. Der Schnitt erfolgt etwa fünf bis zehn Zentimeter über dem Boden, je nach Art und Wuchshöhe. Bei niedrigen Sorten reichen zwei bis drei Zentimeter. Ein zu tiefer Schnitt, direkt auf das Herz, ist der zweite klassische Fehler. Das Herz ist der Vegetationspunkt, aus dem der neue Austrieb kommt. Wird es verletzt, treibt die Pflanze entweder nicht mehr aus oder bildet nur kümmerliche Halme.
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