5 Regeln beim Auslichten von Pflaume und Zwetschge

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt nach Kalender statt nach Austrieb. Beobachte die Pflanze: Treibt sie aus den alten Trieben aus, gehört sie zur ersten oder zweiten Gruppe. Treibt sie aus dem Boden oder aus wenigen Zentimetern über dem Boden, ist es Gruppe drei. Ein weiterer Fehler: Clematis im ersten Standjahr stark zurückschneiden. Junge Pflanzen brauchen Blattmasse zum Einwurzeln. Schneide sie erst ab dem zweiten oder dritten Jahr nach dem passenden Muster. Und schneide nie bei Frost – die Schnittstellen frieren auf und die Pflanze fault zurück. Warte, bis der Frost vorbei ist und die Knospen leicht anschwellen.

Bleiben nur zehn bis zwanzig Zentimeter über dem Boden stehen, bilden sich die neuen Triebe fast ausschließlich aus dem Wurzelhals. Das ist der kräftigste, aber auch der ungleichmäßigste Neuaustrieb. Lässt man dagegen einen kurzen Rahmen aus einigen kräftigen Leitaststummeln stehen, treibt der Strauch kontrollierter und in der gewünschten Höhe aus. Diese Stummel sollten nicht länger als eine Handspanne sein, sonst verkahlen sie von innen und die Pflanze sieht dauerhaft gerupft aus.

Steil nach oben wachsende Triebe sind kein Fruchtholz Ein zweiter Kandidat für den Schnitt sind die steil nach oben wachsenden Wasserschosse. Sie wachsen senkrecht aus dem alten Holz, oft mitten in der Krone, und bringen kaum Früchte. Diese Triebe nehmen Licht und Nährstoffe weg, ohne Ertrag zu liefern. Wer sie stehen lässt, bekommt eine dichte, dunkle Krone mit kleinen, sauren Äpfeln. Beim Auslichten werden Wasserschosse an der Basis entfernt, nicht in der Mitte abgeschnitten. Ein Stummel treibt sonst sofort wieder aus.

Pflaume und Zwetschge tragen am mehrjährigen Holz. Wer im Winter zu viel wegschneidet, entfernt genau die Triebe, an denen im nächsten Jahr die Früchte hängen. Auslichten heißt deshalb nicht kräftig zurückschneiden, sondern gezielt das entnehmen, was dem Baum Licht und Luft nimmt, ohne die Fruchttriebe zu zerstören. Der beste Zeitpunkt liegt im Spätwinter, kurz vor dem Austrieb, wenn die Knospen sichtbar, aber noch geschlossen sind. Ein Schnitt im Herbst oder während der Vegetation kostet den Baum mehr Kraft und öffnet Wunden für Krankheiten.

Viele Obstbäume tragen schlecht, weil der Schnitt zur falschen Zeit an der falschen Stelle ansetzt. Wer einen Apfelbaum auslichtet, muss zuerst entscheiden, welche Äste überhaupt weichen dürfen. Der häufigste Fehler: Es wird zu viel auf einmal entfernt, und zwar an den falschen Stellen. Ein Apfelbaum verzeiht einen starken Rückschnitt, aber nicht ein jahrelang falsch aufgebautes Kronengerüst.

Kletterrosen brauchen eine andere Behandlung. Hier wird zwischen Gerüsttrieben und Seitentrieben unterschieden. Die langen Gerüsttriebe bleiben stehen und werden nur an der Spitze leicht eingekürzt. Die kurzen Seitentriebe hingegen schneidet man auf zwei bis drei Augen zurück. So entstehen kompakte Blütentrauben entlang der ganzen Ranke. Wer Kletterrosen wie Beetrosen behandelt, entfernt die Blütenstände für die kommende Saison. Ein weiterer Fehler: das Einkürzen der Gerüsttriebe bis ins alte Holz, wodurch die Pflanze jahrelang nicht mehr die gewohnte Höhe erreicht.

Der Schnittzeitpunkt für Rosen lässt sich nicht am Kalender festmachen, sondern an der Forsythie. Sobald deren gelbe Blüten aufgehen, ist der Boden ausreichend erwärmt und die Rosen treiben verlässlich aus. Ein Schnitt zu diesem Zeitpunkt fällt in die Phase, in der die Pflanze ohnehin neue Knospen bildet. Wer stattdessen im Herbst zur Schere greift, riskiert Frostschäden an den offenen Wunden und entfernt Triebe, die als Frostschutz dienen. Die Forsythienblüte ist daher das zuverlässigere Signal als ein festes Datum.

Wer den Schnitt einmal verpasst, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Ein späterer Rückschnitt ist möglich, solange er vor dem Austrieb der neuen Blätter erfolgt. Nach dem Austrieb entfernt man nur noch erfrorene Spitzen und kranke Triebe. Der jährliche Schnitt zur Forsythienblüte hält die Rosen über viele Jahre gesund und blühfreudig.

Daraus folgt die eigentliche Regel: Die Zahnung der Säge muss auf den Zustand des Holzes abgestimmt sein. Für frisches, saftiges Holz genügt eine grobe Zahnung mit weiten Spanräumen, weil die Späne leicht abgeführt werden. Totholz verlangt eine feinere, aber scharf geschliffene Zahnung. Die Zähne müssen mit ihrer Schneidkante das Holz durchtrennen, nicht mit der Spitze ausbrechen. Ein stumpfes Sägeblatt erhitzt sich, verläuft in der Schnittfuge und reißt die Randfasern auf. Wer hier mit Gewalt nachhilft, verbiegt das Blatt und erzeugt einen Schnitt, der später nicht mehr zu glätten ist. Der Anwender merkt das an drei Zeichen: Der Schnitt knistert statt zu sirren, das Blatt wird warm, und der Sägeschnitt wandert seitlich aus der Linie.

Bleiben sollen dagegen flach bis leicht schräg wachsende, gut verteilte Fruchtäste. Ein gesunder Apfelbaum trägt an mehrjährigem Holz mit kurzen Fruchtspießen. Solche Äste sind erkennbar an den verdickten, kurzen Trieben mit Blütenknospen. Wer sie entfernt, schneidet die kommende Ernte ab. Auch einjährige, flach wachsende Triebe bleiben, sofern sie Platz haben und nicht in die Krone hineinragen. Ziel ist eine luftige Krone, in die Licht bis ins Innere fällt.

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