Wenn die Knospen schwellen: den richtigen Schnittzeitpunkt finden

Ein weiteres Problem ist die Rutenanzahl. Bei einmal tragenden Sorten sollten nach dem Schnitt nur die kräftigsten fünf bis acht Ruten pro Meter stehen bleiben. Zu viele dünne Triebe konkurrieren um Licht und Nährstoffe. Bei zweimal tragenden Sorten kann man mehr Ruten belassen, doch spätestens nach drei Jahren muss der Bestand ausgedünnt werden, sonst verkümmert die Mitte. Ein häufiger Fehler ist, alte Ruten bis zum Boden zu verfolgen und dabei junge Triebe abzureißen. Besser mit einer scharfen Schere knapp über dem Boden schneiden.

Die Einstellung ist genauso wichtig wie die Schärfe. Zwischen Klinge und Gegenklinge muss ein minimales Spiel bleiben, sonst reiben die Flächen aufeinander und werden schnell stumpf. Ist die Schraube zu locker, weicht die Klinge beim Schneiden aus und quetscht den Zweig. Ziehen Sie die Schraube so an, dass die Schere gerade noch leichtgängig schließt, aber kein Lichtspalt zwischen den Klingen sichtbar ist. Bei manchen Modellen lässt sich die Gegenklinge mit einer zweiten Schraube justieren. Prüfen Sie nach jeder Änderung den Schnitt an einem weichen Zweig.

Wer den Schnitt konsequent nach der Blüte durchführt, alle drei Jahre auslichtet und auf einen sauren, humusreichen Boden achtet, bekommt einen dichten, kompakten Wuchs mit Blüten bis in den inneren Bereich. Der Strauch dankt es mit kräftigen Knospen und einer Blüte, die nicht nur an der Oberfläche bleibt. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit: Ein einmaliger Rückschnitt bringt kurzfristig Ordnung, aber erst der wiederkehrende, maßvolle Eingriff hält den Rhododendron dauerhaft in Form.

Für die meisten Ziersträucher und Obstbäume liegt der günstige Moment kurz vor dem Aufbrechen der Knospen. In dieser Spanne ist die Pflanze noch in der Ruhe, reagiert aber schon auf Wunden mit verstärkter Heilung. Ein Schnitt jetzt fällt in eine Phase, in der Reservestoffe in den Trieben und Wurzeln gespeichert sind und der Austrieb nicht unnötig Kraft kostet. Wer zu früh schneidet, riskiert, dass Frost die offenen Schnittstellen schädigt. Wer zu spät schneidet, entfernt bereits ausgetriebene Blätter und schwächt die Pflanze.

Ein typischer Fehler ist das Nachgreifen ohne Umsetzen der Leiter. Statt die Leiter zu verschieben oder eine höhere Sprosse zu wählen, wird der Arm weiter gestreckt. Das mag für einen kurzen Moment funktionieren, aber die Belastung steigt überproportional. Ein weiterer Fehler ist das Arbeiten mit einer Hand, während die andere am Holm hängt. Diese Haltung mag Sicherheit vortäuschen, doch sie verhindert kontrollierte Bewegungen und führt dazu, dass der Körper instinktiv nach dem Werkzeug zieht.

Praktisch geht man deshalb in zwei Stufen vor. Zuerst wird der abgestorbene Ast mit einer scharfen Säge auf einer Länge von etwa einer Handbreit vom Stamm entfernt. Man setzt die Säge mit flachem Winkel an, zieht zunächst zwei oder drei leichte Züge, um eine Kerbe zu setzen, und sägt dann mit langen, gleichmäßigen Zügen. Druck von oben ist überflüssig, ja schädlich: Das Eigengewicht der Säge genügt. Erst danach wird der verbleibende Stummel mit einer scharfen Schere oder einem scharfen Messer nachgeschnitten, bis die Wundfläche glatt und ohne Risse ist. Wer umgekehrt beginnt, also erst mit der Schere quetscht und dann mit der Säge nacharbeitet, zerstört die Schnittstelle doppelt.

Bei stark wüchsigen Gehölzen ist ein kräftiger Rückschnitt vor dem Austrieb sinnvoll, denn die Pflanze beantwortet ihn mit kräftigem Neuaustrieb. Bei schwach wachsenden oder bereits geschwächten Exemplaren sollte nur ausgelichtet werden. Entferne totes, krankes und sich kreuzendes Holz zuerst. Achte darauf, dass Schnitte nicht zu dicht an der Knospe sitzen, aber auch keine langen Stummel stehen bleiben. Ein sauberer, schräg geführter Schnitt knapp über einer nach außen zeigenden Knospe lenkt den Austrieb in die gewünschte Richtung.

Woran sich der Moment konkret ablesen lässt Prüfe morgens bei trockenem Wetter den Zustand der Endknospen. Streife mit dem Daumen vorsichtig über eine Knospe: Fühlt sie sich prall und klebrig an, steht der Austrieb unmittelbar bevor. Ein weiteres Zeichen ist der sogenannte Saftfluss bei Ahorn, Birke und Wein. Läuft nach einem Probenschnitt klares Wasser aus der Wunde, ist der Druck in den Leitungsbahnen hoch. Dann sollte der Schnitt auf wenige, notwendige Eingriffe beschränkt bleiben. Bei Kernobst wie Apfel und Birne ist der ideale Zeitpunkt erreicht, wenn die Knospen ihre Schuppen lockern, aber noch kein Blatt entfaltet ist.

Der Blattaustrieb ist die Phase, in der sich das gesamte Wachstum eines Gehölzes entscheidet. Wer jetzt schneidet, greift unmittelbar in den Saftstrom ein. Deshalb kommt es weniger auf den Kalendertag an als auf den Zustand der Pflanze. Beobachte die Knospen über mehrere Tage hinweg: Solange sie fest und von schützenden Schuppen umhüllt sind, ruht der Austrieb. Sobald die Schuppen aufbrechen und das erste frische Grün sichtbar wird, hat der Stoffwechsel bereits Fahrt aufgenommen.

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