So gehen Sie konkret vor Entfernen Sie zuerst alle abgestorbenen, kranken und sich kreuzenden Äste. Schneiden Sie auf Astring, also direkt am Stamm oder an einer kräftigen Hauptachse, ohne Stummel stehen zu lassen. Ein Stummel fault zurück und öffnet Pilzen die Tür. Bei starken Ästen arbeiten Sie in zwei Schritten: erst von unten einsägen, dann von oben durchtrennen, damit die Rinde nicht einreißt. Werkzeug vorher desinfizieren, danach nicht mit Wundverschlussmittel großzügig verschmieren – bei Kirschen behindert das oft die natürliche Abschottung.
Wer diese Regel einmal verinnerlicht hat, wird den Schnitt nicht mehr aufschieben. Die Kirsche dankt es mit gleichmäßigem Wachstum, gesunden Fruchtknospen und einer Ernte, die nicht von Jahr zu Jahr schwankt. Ein Aufschub um Wochen kostet dagegen oft Monate der Regeneration – oder gleich die nächste Saison.
Wenn die Gruppe unklar ist, hilft ein einfacher Test: Blüht die Pflanze vor Juni, gehört sie zu Gruppe 1. Blüht sie zweimal, ist es Gruppe 2. Blüht sie erst ab Juli an neuen Trieben, ist es Gruppe 3. Im Zweifel wartet man die erste Blüte ab und schneidet dann entsprechend. Ein zu später Rückschnitt im Herbst ist bei allen Gruppen riskant, weil die Pflanze dann nicht mehr ausreichend aushärtet.
Der Zeitpunkt nach der Ernte hat noch einen zweiten Vorteil: Die Früchte sind bereits geerntet, der Baum steht nicht mehr unter dem Stress der Fruchtentwicklung. Ein Schnitt im Frühjahr hingegen entfernt genau die Knospen, die in diesem Jahr geblüht hätten – die Ernte fällt aus. Ein Schnitt im Herbst wiederum behindert die Einlagerung von Reservestoffen, und die Kirsche geht geschwächt in den Winter. Deshalb gilt: Je kürzer die Zeitspanne zwischen Ernte und Schnitt, desto besser. Idealerweise schneiden Sie bei trockenem, aber nicht zu heißem Wetter, damit die Wunden schnell abtrocknen und nicht von Pilzsporen besiedelt werden.
Nach dem Schnitt sollte man die Ranken nicht sofort waagerecht anbinden. Senkrecht geführte Triebe wachsen stark und fruchten schlechter, waagerecht gezogene bilden mehr Blütenstände und reifen gleichmäßiger. Ein bis zwei Wochen nach dem Austrieb kontrolliert man die Augen und entfernt überzählige Triebe von Hand. So bleibt die Zahl der Fruchttriebe begrenzt und die verbleibenden Trauben erhalten genug Licht. Wer diese Regel jedes Jahr anwendet, erhält eine Rebe, die regelmäßig trägt statt nur Blätter zu produzieren.
Bleiben nur zehn bis zwanzig Zentimeter über dem Boden stehen, bilden sich die neuen Triebe fast ausschließlich aus dem Wurzelhals. Das ist der kräftigste, aber auch der ungleichmäßigste Neuaustrieb. Lässt man dagegen einen kurzen Rahmen aus einigen kräftigen Leitaststummeln stehen, treibt der Strauch kontrollierter und in der gewünschten Höhe aus. Diese Stummel sollten nicht länger als eine Handspanne sein, sonst verkahlen sie von innen und die Pflanze sieht dauerhaft gerupft aus.
Nach dem Schnitt die Schnittstellen beobachten. Saubere, glatte Wunden am Astring überwallen innerhalb einer Vegetationsperiode. Reißt die Rinde ein oder bildet sich klebriger Gummifluss, war der Schnitt zu spät oder das Werkzeug nicht scharf. Dann im Folgejahr an der gleichen Stelle nicht nachschneiden, sondern den Baum erst beruhigen lassen. Wer diese Reihenfolge einhält, erntet nicht nur regelmäßiger, sondern hält den Baum auch über viele Jahre gesund.
So wird geschnitten: alt gegen jung abwägen Zuerst werden alle Ruten entfernt, die älter als drei Jahre sind. Man erkennt sie an der graubraunen, rissigen Rinde und daran, dass sie kaum noch Seitentriebe mit Blütenknospen bilden. Diese alten Ruten schneidet man direkt am Boden ab, ohne kurze Stummel stehen zu lassen. Stummel verfaulen und bieten Schädlingen Unterschlupf. Anschließend bleiben etwa sechs bis acht kräftige, junge Ruten stehen, die gleichmäßig über den Strauch verteilt sind. Alles dazwischen – dünne, nach innen wachsende oder sich kreuzende Triebe – wird ebenfalls entfernt.
Bei roten und weißen Johannisbeeren gilt dasselbe Prinzip, bei schwarzen ist der Schnitt etwas strenger: Sie reagieren empfindlicher auf altes Holz und danken regelmäßiges Auslichten mit deutlich größeren Früchten. Wer den Strauch im Blick behält und jedes Jahr ein paar alte Ruten entfernt, hat dauerhaft gesunde Pflanzen und volle Ernten.
Die Schnittgruppe erkennt man nicht am Etikett allein, sondern an der Blütezeit und an der Wuchsform. Gruppe 1 blüht früh, meist ab April oder Mai, und zwar an den Trieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Typisch sind Arten wie Clematis alpina oder Clematis montana. Diese Pflanzen brauchen keinen regelmäßigen Rückschnitt. Wer zu stark ins alte Holz schneidet, entfernt die Blütenknospen und wartet ein Jahr auf Ersatz. Erlaubt ist nur ein leichter Korrekturschnitt direkt nach der Blüte, etwa um lange Triebe zu kürzen oder abgestorbene Spitzen zu entfernen.
Nach dem Schnitt sollten Sie nicht sofort düngen. Die Kirsche braucht jetzt keine zusätzliche Stickstoffgabe, sonst treibt sie weiches, anfälliges Holz aus, das im Winter Frostschäden riskiert. Warten Sie bis zum Frühjahr, und geben Sie dann einen ausgewogenen Obstbaudünger. Auch das Gießen ist sparsam zu halten: Ein trockener Standort nach dem Schnitt fördert die Verholzung der neuen Triebe. Kontrollieren Sie die Schnittstellen in den folgenden Wochen auf Wundverschluss. Ein leichter Austritt von Gummifluss ist normal, solange die Wunde nicht fault. Bei starkem Gummifluss oder dunklen Verfärbungen schneiden Sie bis ins gesunde Holz nach und desinfizieren das Werkzeug vor jedem weiteren Schnitt.
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