Der häufigste Fehler ist ein zweiter Radikalschnitt im selben Jahr, weil der Neuaustrieb zu lang oder zu wild erscheint. Wer jetzt erneut bis zum Boden schneidet, entzieht dem Strauch die gerade aufgebauten Blätter und zwingt ihn, aus dem letzten Reserven erneut auszutreiben. Das schwächt die Pflanze so stark, dass sie im Folgejahr kümmerlich bleibt oder ganz ausfällt. Stattdessen den Austrieb im ersten Jahr wachsen lassen und nur störende, nach innen wachsende Triebe entfernen.
Beim Auslichten gilt: lieber schwächer und dafür jedes Jahr. Ein starker Eingriff an einem einzigen Tag kostet meist die Ernte des nächsten Jahres, weil die Pflanze mit Notausbildung von neuen Trieben reagiert. Wer einen alten, verwilderten Baum über mehrere Jahre saniert, schneidet jedes Jahr nur ein Viertel der zu dichten Partien heraus. Der Rest bleibt als Ertragsreserve. Die abgeschnittenen Zweige sofort aus der Krone ziehen, damit sie keine Pilzsporen auf das verletzte Holz verteilen.
Der wichtigste Schnitt beginnt im Winter, sobald die Reben vollständig in Vegetationsruhe sind. Man schneidet den einjährigen Trieb des Vorjahres auf ein kräftiges, gut ausgereiftes Auge zurück. Das Auge sollte an der Basis des Triebes sitzen, also nah am alten Holz. Schwache, dünne oder grüne Triebspitzen werden vollständig entfernt. Der Schnitt erfolgt etwa zwei bis drei Zentimeter über dem Auge, damit dieses nicht austrocknet, aber auch nicht zu viel altes Holz stehen bleibt. Ein zu langer Zapfen aus vielen Augen produziert viele kleine Trauben und erschöpft die Rebe.
Die trapezförmige Hecke ist keine Modeerscheinung, sondern eine Kulturmaßnahme, die den natürlichen Lichtbedarf der Pflanzen berücksichtigt. Sie kostet beim ersten Schnitt etwas mehr Überlegung, zahlt sich aber über Jahre aus: gleichmäßiger Wuchs, weniger kahle Stellen und eine Form, die auch nach starkem Rückschnitt schnell wieder dicht wird. Wer die Neigung einmal mit einer Schnur oder Schablone festgelegt hat, kann sie bei jedem weiteren Schnitt übernehmen und spart so Zeit und Kraft.
Welche Triebe zuerst dran sind Zuerst werden die ältesten, dunkelsten und dicksten Triebe entfernt, am besten bodennah oder knapp über einer jungen, kräftigen Seitenachse. Ein Drittel der Gesamtzahl ist die Richtgröße, nicht das Maßband. Bei einem Strauch mit zwölf Grundtrieben bleiben also acht stehen. Schneidet man mehr weg, treibt die Pflanze oft nur noch schwach aus und kümmert jahrelang. Lässt man weniger stehen, zieht sich die Verjüngung über ein Jahrzehnt und der untere Bereich bleibt weiter kahl.
Ein Sonderfall sind Herbsthimbeeren. Sie fruchten bereits an einjährigen Ruten und werden anders behandelt: Nach der Ernte schneidest du alle Ruten bodennah ab. Verwechsle das nicht mit Sommerhimbeeren, bei denen die zweijährigen Ruten getrennt werden müssen. Wenn du unsicher bist, markiere die Ruten vor dem Winter mit locker gebundenen Schnüren in zwei Farben: eine Farbe für diesjährige, eine für vorjährige Triebe. Im Frühjahr erkennst du dann auf einen Blick, was weg kann. So vermeidest du Verwechslungen und sicherst dir eine gleichmäßige Ernte über Jahre.
Ein dritter Hinweis steckt in den Dornen. Bei vielen Sorten sitzen an einjährigen Ruten feinere, dichter stehende Stacheln, die sich leicht mit dem Daumen abstreifen lassen. An zweijährigen Ruten sind die Stacheln kräftiger, sitzen fester und hinterlassen beim Abbrechen eine deutliche Narbe. Ein vierter Punkt ist der Ansatz: Einjährige Ruten entspringen direkt am Wurzelstock oder dicht darunter, oft als Bodentriebe. Zweijährige Ruten haben eine klar erkennbare Basis, die im Vorjahr ausgebildet wurde, und stehen häufig weiter außen im Pflanzbereich.
Ein typischer Fehler ist der Kahlschlag auf einmal: alle alten Triebe auf den Stock setzen und hoffen, dass alles neu ausschlägt. Das funktioniert nur bei wenigen robusten Arten. Bei den meisten reagiert der Strauch mit langen, weichen Schossen, die im Winter zurückfrieren oder auseinanderfallen. Ebenso falsch ist es, nur die Spitzen zu kürzen. Dadurch verzweigt sich der Strauch oben noch dichter, während die Basis leer bleibt. Der Schnitt muss tief ansetzen, sonst ändert sich nichts.
Ein fünftes Merkmal liefert der Zustand nach dem Winter. Zweijährige Ruten zeigen abgestorbene Spitzen, aufgesprungene Rinde oder Knospen, die bereits ausgetrieben haben. Einjährige Ruten sind bei frostfreier Witterung saftig und tragen unversehrte Knospen. Ein typischer Fehler besteht darin, alle Ruten gleich zu behandeln und im Frühjahr radikal zurückzuschneiden. Wer das macht, entfernt die einjährigen Triebe, die im nächsten Jahr tragen sollen, und erntet im Folgejahr kaum etwas.
Praktisch gehst du so vor: Im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, vor dem Austrieb, gehst du die Ruten einzeln durch. Alles, was graubraun, rissig und im oberen Teil verzweigt ist, schneidest du bodennah ab. Grüne, glatte, unverzweigte Ruten bleiben stehen. Achte darauf, nicht zu viele Ruten zu belassen: Zu dichte Bestände begünstigen Pilzkrankheiten. Ein weiterer Fehler ist der Schnitt im Sommer. Wenn du jetzt zweijährige Ruten entfernst, ist das in Ordnung, einjährige Ruten solltest du aber nicht kappen, weil sie sonst Seitentriebe bilden, die Energie kosten.
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