Nahtzugabe anzeichnen: Linie oder Nadel? Was wohin gehört

Briefecken an vier Ecken sauber ausarbeit

Ein Stoff besteht aus Kett- und Schussfäden. Die Kettfäden laufen parallel zur Webkante, die Schussfäden quer dazu. Der Fadenlauf ist die Richtung dieser Fäden im Gewebe. Schneidet man ein Schnittteil schräg zu diesem Verlauf zu, liegt es nicht mehr stabil auf der Fläche. Die Fasern können sich unter Zug verformen, weil keine gerade Fadenlinie mehr entlang der Naht verläuft. Genau das führt dazu, dass sich das Teil beim Nähen oder Tragen verzieht.

Eine Maschine, die Stiche auslässt, arbeitet oft mit falsch eingesetzter oder beschädigter Nadel. Bevor der Stoff abgeräumt und die Maschine zerlegt wird, kontrolliert man zuerst die Nadel. Sie muss bis zum Anschlag in der Nadelstange sitzen und mit der flachen Seite korrekt ausgerichtet sein. Bei einer leicht verbogenen oder stumpfen Nadel rutscht der Faden nicht sauber in die Öse oder trifft den Greifer nicht. Eine Nadel mit falscher Stärke für den Stoff – zu dünn für Denim, zu dick für Seide – erzeugt ebenfalls Fehlstiche. Ein einfacher Test: Nadel ausbauen, gegen ein gerades Lineal oder eine Glasplatte halten. Jede sichtbare Biegung bedeutet Austausch.

Steppe mit einem Abstand von zwei bis drei Millimetern zur Nahtlinie. Dieser schmale Abstand ist der Grund für die flache Optik: Er zwingt die Nahtzugabe, sich flach unter die Steppnaht zu legen, statt sich aufzubäumen. Zu viel Abstand lässt die Kante dick und rund wirken. Nähe langsam und halte den Stoff mit beiden Händen leicht gespannt, ohne zu ziehen. Ziehen verzerrt die Kante, und der Stoff springt nach dem Nähen zurück, wodurch sich Wellen bilden. Ein Geradstich mit einer Stichlänge von zwei bis zweieinhalb Millimetern funktioniert bei den meisten Geweben zuverlässig. Bei sehr feinen Stoffen verkürzt du die Stichlänge auf etwa zwei Millimeter, damit die Naht nicht ausreißt.

Ein häufiger Fehler ist eine zu große Stichlänge. Bei zwei bis zweieinhalb Millimetern bleibt die Naht stabil, ohne den schmalen Umschlag zu durchlöchern. Ein anderer Fehler: mit zu hohem Nähfußdruck arbeiten. Der Stoff wird gestaucht, und der Umschlag verschiebt sich. Reduziere den Druck und nähe langsam. Achte außerdem darauf, dass Ober- und Unterfaden zur Stofffarbe passen. Ein Kontrastfaden macht den unsichtbaren Saum sichtbar.

Typische Fehler: Die Zugabe wird auf der rechten Stoffseite angezeichnet und scheint durch dünne Stoffe. Die Linie wird mit Kugelschreiber gezogen – der geht nie wieder raus. Die Zugabe wird an der Stoffkante gemessen statt an der Nahtlinie, dadurch verschiebt sich das ganze Teil. Und: Wer die Zugabe erst nach dem Zuschnitt anzeichnet, hat oft keine gerade Kante mehr als Referenz. Besser vor dem Zuschnitt die Nahtlinie auf dem Schnittmuster markieren und die Zugabe am Stoff mit Lineal und Kreide ziehen.

Typische Fehler beim Zuschnitt Viele schneiden einfach entlang der Webkante zu, ohne den Stoff vorher auszurichten. Der Stoff liegt schief, die Webkante wellt sich, und schon ist der Fadenlauf verschoben. Ein weiterer Fehler: das Schnittteil ohne Fixierung auflegen und die Kanten als Referenz nehmen. Die Kanten sind aber oft nicht parallel zum Fadenlauf. Wer dann zuschneidet, erhält ein Teil, das später an einer Seite kürzer ist oder sich beim Bügeln verdreht. Auch das Dehnen des Stoffes beim Zuschneiden mit der Schere führt zu Verzug, weil die Fasern unter Spannung geraten.

Zum Anzeichnen eignen sich Kreide, Seifenstift oder ein wasserlöslicher Stift. Kreide ist bei dunklen Stoffen gut sichtbar, hinterlässt aber manchmal Spuren. Seifenstift verschwindet beim Bügeln, kann aber auf empfindlichen Stoffen Flecken hinterlassen. Ein wasserlöslicher Stift ist präzise, darf aber nicht zu lange auf dem Stoff bleiben. Für exakte Linien mit Nahtzugabe gibt es Schablonen aus Kunststoff – sie werden an die Stoffkante gelegt und die Linie mit dem Stift nachgezogen. Alternativ lässt sich die Zugabe mit einem Nahtzugabe-Fuß an der Nähmaschine direkt beim Nähen führen. Das ist schneller, aber weniger genau bei Kurven.

Der Transport ist der dritte Bereich. Die Transporteurzähne müssen sauber aus der Stichplatte kommen und dürfen nicht abgenutzt oder verharzt sein. Bei zu hohem Nähfußdruck presst der Fuß den Stoff so stark, dass der Transport blockiert und die Nadel mehrmals in dasselbe Loch sticht. Bei zu geringem Druck rutscht der Stoff durch und die Stichlänge variiert. Der Nähfußdruck wird über die Schraube oder das Rädchen am Kopf eingestellt: leicht erhöhen, bis der Stoff gleichmäßig gefördert wird, ohne dass er Wellen wirft.

Um den Fadenlauf zu finden, legt man den Stoff flach auf einen Tisch. Die Webkante zeigt die Richtung der Kettfäden. Zieht man einen einzelnen Schussfaden vorsichtig heraus, bleibt eine Lücke, die quer zur Kette verläuft. Alternativ hält man den Stoff gegen das Licht: bei gewebten Stoffen sind die Fadenlinien sichtbar. Bei Jersey oder anderen Maschenwaren erkennt man den Fadenlauf an den Maschenstäbchen, die senkrecht verlaufen, und den Maschenreihen, die waagerecht liegen. Ein Lineal hilft, den rechten Winkel zu prüfen.

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