Der erste Schritt nach dem Verschnitt ist die Kontrolle des Bodens und der Wasserversorgung. Ein stark reduzierter Strauch hat kaum Blattmasse, verdunstet also wenig Wasser. Staunässe ist jetzt gefährlicher als Trockenheit. Gießen nur dann, wenn die oberste Erdschicht trocken ist. Eine dünne Schicht Kompost oder Laub um die Basis hält die Feuchtigkeit gleichmäßig und versorgt die Pflanze mit Nährstoffen, ohne sie zu überdüngen. Stickstoffbetonte Dünger sind jetzt tabu, denn sie fördern weiches, instabiles Triebwachstum, das schnell zurückfriert oder von Pilzen befallen wird.
Die Klinge wird nur auf der Fase geschliffen, also auf der abgeschrägten Seite. Der originale Winkel liegt meist zwischen 20 und 25 Grad. Diesen Winkel hältst du beim Feilen konstant, indem du die Feile flach auf die Fase legst und in eine Richtung ziehst, nicht hin und her sägst. Zwei bis drei Züge pro Seite genügen bei leichter Stumpfheit. Zu viel Materialabtrag macht die Klinge dünn und instabil. Die flache Rückseite der Klinge wird nur abgezogen, um den Grat zu entfernen; dort darf kein neuer Winkel entstehen. Ein Grat auf der Rückseite ist die häufigste Ursache dafür, dass eine frisch geschärfte Schere sofort wieder klemmt.
Die zweite Gruppe umfasst Sorten, die im Mai an den vorjährigen Trieben blühen und im Spätsommer noch einmal an den neuen. Typische Vertreter sind Clematis florida und viele großblumige Sorten, die im Handel als frühblühend gelten. Hier ist der Schnitt am heikelsten: Ein starker Rückschnitt im Frühling kostet fast immer die erste Blüte. Man schneidet deshalb erst nach der ersten Blüte leicht zurück, entfernt abgestorbene Triebe und kürzt die Pflanze um etwa ein Drittel. Ein zweiter, vorsichtiger Rückschnitt im Spätsommer nach der zweiten Blüte hält die Pflanze kompakt. Wer unsicher ist, schneidet gar nicht – das ist immer noch besser als ein falscher Schnitt.
Ein Schnitt im Spätwinter ist kein gewöhnlicher Rückschnitt. Zwischen Ende Februar und Mitte März, bevor die Knospen deutlich anschwellen, befinden sich Gehölze in einer Phase, in der Wunden zwar langsam, aber zuverlässig abschotten. Wer in dieser Zeit schneidet, nutzt einen physiologischen Moment: Der Saftdruck ist gering, die Verdunstung über die Schnittfläche minimal, und das Kambium beginnt kurz darauf mit der Überwallung. Genau deshalb hält die Fassade – gemeint ist die äußere Kronen- und Rindenstruktur eines Baumes oder Strauchs – am längsten, wenn der Schnitt jetzt erfolgt und nicht im Herbst oder Hochsommer.
Was außerhalb der Schonzeit gilt und worauf man achten sollte Vom 1. Oktober bis zum 28. Februar dürfen Hecken und Gehölze grundsätzlich stärker zurückgeschnitten werden. Das bedeutet aber nicht, dass alles erlaubt ist. Wer jetzt zur Säge greift, sollte dennoch behutsam vorgehen. Ein radikaler Rückschnitt auf den Stock ist zwar außerhalb der Brutzeit zulässig, kann aber für das Wachstum der Pflanze problematisch sein. Viele Heckenpflanzen wie Thuja, Hainbuche oder Liguster treiben nach einem starken Rückschnitt nur zögerlich wieder aus. Besser ist es, die Hecke regelmäßig und maßvoll zu schneiden, statt sie alle paar Jahre komplett zu kappen. So bleibt sie dicht und gesund. Ein weiterer Punkt: Auch außerhalb der gesetzlichen Schonzeit können Nester von Vögeln oder Ruhestätten von Fledermäusen vorhanden sein. Wer ein Nest entdeckt, sollte den Schnitt an dieser Stelle verschieben oder ganz darauf verzichten.
Ein häufiger Fehler ist der Schnitt im Herbst oder Winter. Dann fehlt der Pflanze die Kraft, die Schnittstellen zu verschließen, und die Knospen für das kommende Frühjahr sind bereits angelegt. Ein weiterer Fehler ist das Abschneiden einzelner Blütentriebe ohne Rückschnitt ins alte Holz. Dadurch entstehen lange, dünne Peitschentriebe, die keinen kompakten Aufbau ergeben. Wer nur die verblühten Dolden ausbricht, verhindert zwar die Samenbildung, formt aber keinen dichten Busch.
Ein Strauch, der bis auf den Boden zurückgeschnitten wurde, ist nicht verloren. Viele Gehölze besitzen schlafende Augen an der Basis, die nach starkem Rückschnitt wieder austreiben. Entscheidend ist, ob der Schnitt zum richtigen Zeitpunkt erfolgte und ob die Pflanze genug Kraftreserven hat. Ein zu radikaler Schnitt im falschen Moment kann einen Strauch zwar schwächen, aber nur selten dauerhaft töten. Wer jetzt geduldig bleibt und die Regeneration unterstützt, wird meist binnen einer Vegetationsperiode neuen Austrieb sehen.
Viele Gartenbesitzer machen den Fehler, den Begriff „Form- und Pflegeschnitt” zu weit auszulegen. Ein Pflegeschnitt bedeutet, dass nur die jungen Triebe und der jährliche Zuwachs entfernt werden. Wer dagegen die Hecke bis ins alte Holz zurücksetzt oder sie komplett auf den Stock setzt, verstößt gegen das Gesetz – auch dann, wenn kein Vogel darin brütet. Entscheidend ist nicht, ob tatsächlich ein Nest vorhanden ist, sondern ob der Schnitt geeignet ist, wild lebende Tiere zu stören. Ein radikaler Rückschnitt ist immer verboten, solange er nicht aus Gründen der Verkehrssicherheit oder zur Gefahrenabwehr notwendig ist. In solchen Ausnahmefällen muss jedoch vorher die zuständige Naturschutzbehörde informiert oder eine Genehmigung eingeholt werden.
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