Für die Messung am Körper wird ein Maßband straff unter die Achsel gelegt und der Abstand bis zur Schulternaht genommen. Wichtiger ist jedoch die Messung am Schnitt oder am fertigen Kleidungsstück. Dafür das Rückenteil flach auf den Tisch legen, die Schulternaht ausstreichen und die Achselnaht bis zur tiefsten Stelle verfolgen. Von dort senkrecht nach oben bis zur Schulternaht messen. Bei einem gut sitzenden Vergleichsstück liefert diese Methode den verlässlichsten Wert, weil sie die tatsächliche Passform abbildet und nicht eine theoretische Konfektionsgröße.
Viele nähen ihre Kleidung nach einer Größe, die auf dem Etikett steht, und wundern sich, warum das Ergebnis an Schultern, Taille oder Hüfte nicht sitzt. Der Grund liegt selten am Schnittmuster, sondern an falsch abgenommenen Körpermaßen. Wer selbst Maß nimmt, muss wissen, welche Werte später tatsächlich über die Schnittgröße entscheiden und welche nur der Kontrolle dienen. Entscheidend sind Körpermaße, die am fertigen Kleidungsstück wieder als Weiten auftauchen: Brustumfang, Taillenumfang, Hüftumfang, Rückenbreite, Schulterbreite und die Ärmellänge.
Das Dekatieren ist kein Hexenwerk. Zunächst prüft man die Pflegehinweise auf der Stoffbahn oder dem Etikett. Steht dort „Handwäsche” oder „nicht waschbar”, wählt man ein schonendes Verfahren. Für die meisten Baumwoll- und Leinenstoffe reicht ein Waschgang bei 30 bis 40 Grad ohne Weichspüler. Wolle und empfindliche Seide vertragen nur lauwarmes Wasser mit einem milden Wollwaschmittel oder man dämpft sie vorsichtig mit dem Bügeleisen. Wichtig: Den Stoff nicht auswringen, sondern flach liegend trocknen lassen.
Wer regelmäßig nach den gleichen, sauber abgenommenen Werten arbeitet, erkennt schnell, welche Größe zu welchem Schnitt passt. Die über die Schnittgröße entscheidenden Maße sind am Ende Brust, Taille und Hüfte – alles andere dient der Feinabstimmung. Wer diese drei Werte korrekt ermittelt und mit der Bewegungzugabe abgleicht, spart sich das Auftrennen und Nähen von zwei Größen zu viel.
Die Briefecke entsteht, indem man den Saum an der Ecke zunächst nach innen einschlägt und bügelt. Dann schlägt man die zweite Kante ein, sodass sich die beiden Einschläge in der Ecke überkreuzen. Die entstehende diagonale Falte wird genau auf die Ecke ausgerichtet und mit einem Fingerdruck fixiert. Anschließend schneidet man den überschüssigen Stoff in der Diagonale knapp neben der Bügelfalte ab, ohne die Nahtzugabe zu durchtrennen. Wer zu viel abschneidet, bekommt ein Loch an der Ecke; wer zu wenig abschneidet, erhält eine dicke Beule.
Alle Werte werden zweimal genommen, möglichst von einer zweiten Person. Die Zahlen notiert man mit Datum, denn Körpermaße verändern sich. Beim Zuschnitt zählt außerdem die Bewegungszugabe: Ein Maßband am Körper liefert den Ist-Zustand, das Schnittmuster enthält bereits Bequemlichkeit. Deshalb ist es sinnvoll, vor dem Zuschneiden die entscheidenden Umfänge am Schnittmuster selbst zu prüfen und nicht blind der Größe auf dem Papier zu vertrauen.
Warum zwei Messungen mehr wert sind als eine Die Schnittgröße ergibt sich nicht aus einem einzigen Wert, sondern aus einem Vergleich mehrerer Umfänge. Weicht der Brustumfang stark vom Hüftumfang ab, reicht eine Standardgröße oft nicht aus. Dann wird die Größe nach dem größeren Umfang gewählt und der kleinere Bereich später angepasst. Genau hier liegt der häufigste Fehler: Man nimmt die Größe nach dem Bauchumfang, obwohl der Schnitt an der Brust sitzen muss. Ein weiterer typischer Fehler ist das Messen vor dem Spiegel mit verdrehtem Oberkörper. Dabei verschiebt sich das Maßband, und die Werte fallen zu klein aus.
Wer diese Schritte einhält, näht Rundungen, die flach liegen und keine Falten werfen. Das Ergebnis hängt weniger von der Maschine ab als von der Vorbereitung und der ruhigen Handführung. Wer die Nahtzugabe richtig einschneidet, die Stichlänge anpasst und den Stoff nicht zieht, bekommt saubere Bögen auch ohne teure Ausstattung.
Stoffführung und Stichlänge entscheiden über das Ergebnis An der Maschine wird der Stoff nicht gezogen, sondern geführt. Beide Hände liegen locker links und rechts der Nadel, die rechte Hand hält den Stoff leicht nach hinten, die linke steuert die Rundung. Der Stoff darf nie gestaucht werden, sonst entstehen Wellen. Eine kürzere Stichlänge von etwa 2 bis 2,5 Millimetern hilft, enge Bögen gleichmäßig zu nähen. Bei sehr engen Rundungen ist es sinnvoll, in kurzen Abschnitten zu nähen, die Nadel im Stoff zu lassen und die Rundung neu auszurichten. Wer stattdessen mit Vollgas durchfährt, bekommt unweigerlich Falten.
Zuerst wird der ausgefranste Bereich gesäubert. Lose Fäden nicht abschneiden, sondern vorsichtig mit einer Nadel oder Pinzette entfernen. Den Saum auf links drehen und die offene Kante glatt streichen. Darauf achten, dass keine Falten entstehen, sonst zeichnen sie sich später auf der rechten Seite ab. Ein Blick auf die Webrichtung hilft: Der Vlieseline-Streifen wird im 45-Grad-Winkel zur Webkante aufgebügelt, damit er sich nicht verzieht. Bei dicken Säumen mit mehreren Lagen sollte die Einlage dünn gewählt werden, etwa eine leichte, aufbügelbare Vlieseline ohne Papierbeschichtung.
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