Warum der Schnitt am Wulst die Wunde ruiniert

Der Schnitt selbst erfolgt schräg, etwa einen halben Zentimeter über einem nach außen weisenden Auge. Die Schnittfläche zeigt vom Auge weg, damit Wasser ablaufen kann. Ein gerader Schnitt direkt über dem Auge oder ein Schnitt, der das Auge verletzt, führt zu Fehltrieben. Triebe, die sich kreuzen oder nach innen wachsen, werden entfernt, damit Licht und Luft in den Strauch kommen. Das beugt Sternrußtau und Mehltau vor. Bleibt ein Trieb zu lang und wird nur an der Spitze gekürzt, entsteht ein Besen aus dünnen Zweigen – auch das ist ein Fehler, der die Blüte im Sommer kostet.

Der ideale Zeitpunkt für den Formschnitt liegt je nach Heckenart im späten Frühjahr oder im Sommer. Ein zweiter, leichter Korrekturschnitt kann im Herbst erfolgen, sollte aber nicht zu spät im Jahr stattfinden, damit die Triebe vor dem Frost noch ausreifen. Bei immergrünen Hecken wie Thuja oder Liguster schneidet man am besten von April bis August. Bei laubabwerfenden Hecken wie Hainbuche oder Rotbuche ist ein Schnitt im Juni und gegebenenfalls im September sinnvoll. Wer die Trapezform einmal etabliert hat, muss nur noch die Kanten nachschneiden und die Neigung kontrollieren.

Bei einem mehräugigen Zapfen verteilt sich der Saftstrom auf mehrere Knospen. Die Triebe bleiben oft schwach, die Trauben klein, und die Rebe vergreist langsam. Beim einäugigen Zapfen dagegen fließt der gesamte Reservestoff in einen einzigen Trieb. Dieser wächst kräftig, bildet große Blätter und eine ausgewogene Traubenzahl. Gleichzeitig bleibt die Basis des Triebes, also der untere Teil, schattig und kühl. Dort reift das Holz besser aus, und die Knospe für das nächste Jahr wird kräftiger. So schließt sich der Kreis: Ein Trieb trägt, ein Auge liefert den nächsten Trieb.

Ein häufiger Fehler ist der zu lange Schnitt. Wer die Rebe auf sechs oder acht Augen stehen lässt, erntet viele kleine Trauben und viel Blattmasse, die zusätzlich geschnitten und entblättert werden muss. Ein weiterer Fehler: der Schnitt im Sommer. Ein leichter Rückschnitt im Juli ist möglich, um den Behang auszudünnen, aber der Hauptschnitt gehört in den Winter. Wer im Sommer stark eingreift, nimmt der Pflanze Blätter, die sie für die Reife der Trauben braucht.

Der zweite Grund ist die Luft. Dichte Kronen halten Feuchtigkeit, und feuchte Blätter sind die Eintrittspforte für Pilzkrankheiten wie Schorf oder Mehltau. Ein gut belüfteter Baum trocknet nach Regen und Tau schnell ab. Beim Schnitt gilt: Entferne zuerst alle nach innen wachsenden Triebe, dann die sich kreuzenden und die scheuernden. Steil nach oben schießende Wasserschosse kosten Kraft, ohne Früchte zu bringen, und beschatten das Frucht Holz. Schneide sie nicht bündig am Stamm ab, sondern auf einen flachen Zapfen, damit die Wunde gut verheilt.

Beim Erhaltungsschnitt an älteren Bäumen geht es darum, vergreiste Fruchtäste zu verjüngen. Solche Äste erkennt man an kurzen, kahlen Enden und vielen Blütenknospen, die nur kleine Früchte hervorbringen. Leite den Ast auf einen jüngeren, kräftigen Seitenzweig ab, statt ins leere Holz zu schneiden. Achte darauf, dass über dem Schnitt immer eine nach außen zeigende Knospe steht, damit der Neuaustrieb nicht wieder nach innen wächst. Der beste Zeitpunkt für den Hauptschnitt ist der späte Winter, solange kein starker Frost herrscht; kleine Korrekturen sind auch im Sommer möglich.

Wer den Schnitt einmal verstanden hat, kommt mit wenigen Handgriffen aus. Die Rebe dankt die Mühe mit vollem Behang und Trauben, die Aroma und Zucker besser ausbilden. Entscheidend ist die Konsequenz: lieber wenige Augen stehen lassen und dafür alles Ungenutzte entfernen, als die Rebe sich selbst überlassen.

Der beste Zeitpunkt für den Schnitt liegt im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr, kurz vor dem Austrieb. Dann sind die Zellen im Wulst besonders aktiv. Ein Schnitt im Herbst oder Winter bei starkem Frost verzögert die Heilung, weil die Teilungsrate gering ist. Bei manchen Bäumen wie Walnuss oder Ahorn blutet der Schnitt im Frühjahr stark. Das ist kein Grund zur Panik, schwächt den Baum aber. Hier wartet man besser bis zum Sommer. Wer regelmäßig schneidet, sollte den Wulst immer mit einer Handschere oder Säge erreichen können. Ist der Ast zu dick für eine saubere Führung, wird zuerst ein Teil des Astes entfernt und dann der Rest am Wulst abgesetzt.

Wer eine Weinrebe an der Hauswand zieht, kennt das Problem: viel Blattwerk, kaum Trauben. Die Ursache liegt selten am Standort, sondern am Schnitt. Reben bilden am einjährigen Holz Blütenstände aus, und zwar an den ersten Knospen der Ruten. Wer zu lang lässt, bekommt viele vegetative Augen und damit vor allem Laub. Wer dagegen konsequent auf wenige Augen zurückschneidet, verlagert die Kraft der Pflanze in die verbleibenden Knospen. Das Ergebnis sind kräftigere Triebe und größere Trauben.

Vor dem Schnitt sollte die Säge scharf und sauber sein. Ein unsauberer Schnitt mit ausgefransten Rändern heilt deutlich schlechter. Bei dickeren Ästen wird zuerst von unten angesägt, dann von oben durchgesägt. So verhindert man, dass die Rinde beim Abbrechen des Astes weit am Stamm einreißt. Ein Reißen der Rinde ist schlimmer als jeder Schnitt, weil es die Leitungsbahnen großflächig zerstört. Nach dem Schnitt bleiben Wundränder stehen, die nicht mit Wundverschlussmitteln behandelt werden müssen. Trockene, glatte Schnittflächen überwallen von selbst.

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