Die Kappnaht ist eine doppelte Naht, bei der beide Stoffkanten eingeschlossen werden. Lege die Stoffstücke links auf links zusammen und nähe mit 1 cm Nahtzugabe. Bügele die Nahtzugabe auseinander, klappe dann beide Kanten nach innen, sodass sie aufeinander liegen. Nähe nun knapp an der Bruchkante entlang – die offenen Kanten verschwinden darunter. Diese Naht ist sehr stabil und eignet sich für Hosen, Jacken oder Taschen. Typischer Fehler: Zu viel Stoff auf einmal einschlagen. Dann wird die Naht zu dick und die Nähmaschine kommt nicht durch alle Lagen.
Vor dem Nähen immer beide Fäden nach hinten unter den Nähfuß legen. Den Stoff unter die Nadel schieben, den Nähfuß senken und die ersten zwei bis drei Stiche von Hand drehen. So entsteht kein Fadenknäuel an der Unterseite. Wer den Stoff zieht oder schiebt, riskiert gebogene Nadeln und ungleichmäßige Stiche. Die Maschine transportiert den Stoff selbst; die Hände führen nur seitlich. Nach einigen Stichen die Fäden abschneiden und die Naht prüfen. Lässt sich der Stoff leicht wellen, ist die Spannung zu hoch; zeigen sich kleine Schlingen auf der Unterseite, ist sie zu niedrig.
Flache, saubere Kanten entstehen nicht durch ein einzelnes Stichbild, sondern durch die Reihenfolge der Arbeitsschritte. Wer zuerst näht und dann versäubert, produziert meist Wulst. Wer zuerst versäubert und dann absteppt, hält die Kante dünn. Der Unterschied zwischen Absteppen und Versäubern ist deshalb kein Stilfrage, sondern eine Frage der Konstruktion: Versäubern sichert die Schnittkante, Absteppen fixiert die Nahtzugabe und drückt sie flach.
Typische Fehler: Den Saum zu knapp abschneiden, sodass er nicht mehr angenäht werden kann. Oder die Naht zu stramm nähen, wodurch der Stoff wellt. Auch das Versäumen der Kanten vor dem Annähen führt dazu, dass der Stoff ausfranst. Ein weiterer Fehler ist, die Länge nicht vorher genau zu messen. Besser zweimal messen und einmal schneiden. Wer unsicher ist, heftet den Saum zuerst mit Stecknadeln oder heftet ihn provisorisch.
Bei gemusterten Stoffen mit Streifen oder Karos kommt eine zusätzliche Schwierigkeit hinzu. Hier muss der Fadenlauf nicht nur parallel zur Webkante liegen, sondern das Muster muss an den Nähten zusammenpassen. Wer nur nach dem Muster ausrichtet und den Fadenlauf ignoriert, erhält zwar passende Streifen, aber ein verzogenes Teil. Beides muss stimmen. Bei elastischen Stoffen wie Jersey ist der Fadenlauf weniger kritisch, weil die Maschenware in beide Richtungen dehnbar ist. Bei gewebten, nicht dehnbaren Stoffen ist er entscheidend.
Kreide ist das traditionelle Mittel. Sie eignet sich hervorragend für grobe, kurzlebige Markierungen auf den meisten Webstoffen. Wichtig: Kreide staubt und kann bei dunklen Stoffen helle Rückstände hinterlassen. Vor dem Bügeln oder Waschen unbedingt ausbürsten. Ein häufiger Fehler ist zu festes Aufdrücken – dadurch bricht die Kreide und die Linie wird unsauber. Besser mit leichtem Druck mehrere dünne Striche ziehen. Für feine Seide oder Chiffon ist Kreide oft zu grob und kann den Stoff verziehen.
Nach dem Annähen die überstehenden Stoffkanten versäubern. Das kann mit einem Zickzackstich oder einer Overlockmaschine geschehen. Wer keine Overlock hat, kann die Kanten mit einem Schrägband einfassen. Zum Schluss die Hose nochmals bügeln und eventuell die Naht mit einem feuchten Tuch dämpfen. So sitzt der Saum glatt und sieht aus wie vom Fachmann.
Nach dem Zuschnitt lässt sich ein Fehler kaum korrigieren. Ein schräg zugeschnittenes Teil kann nicht durch Bügeln oder Abstecken gerettet werden. Deshalb ist die Kontrolle vor dem ersten Schnitt die wichtigste Arbeit. Wer sich unsicher ist, legt das Schnittmuster auf, markiert die Fadenlauf-Linie mit Kreide und prüft sie mit einem langen Lineal gegen die Webkante. Diese eine Minute verhindert, dass ein fertiges Kleidungsstück nach dem Waschen schief hängt.
Bevor der erste Stich fällt, muss der Fadenweg vollständig stimmen. Zuerst die Nadel in die höchste Position drehen, damit das Fadenführungsblech sichtbar wird. Die Spule auf den Spulenhalter setzen, den Faden durch die Fadenführung ziehen und darauf achten, dass er in der Spulenkapsel einrastet. Ein häufiger Fehler: Der Faden wird nicht durch die letzte Führung vor der Nadel geführt. Dann reißt er entweder sofort oder die Stiche sind unregelmäßig. Wer die Reihenfolge im Handbuch einmal verinnerlicht hat, braucht später keine Kontrolle mehr.
Mit etwas Übung gelingt das Kürzen mit Originalsaum bei jeder Hose. Wichtig ist Geduld und sauberes Arbeiten. Wer die Schritte beachtet, erhält eine Kante, die kaum von der ursprünglichen zu unterscheiden ist. Das Ergebnis: eine perfekt sitzende Hose mit dem gewohnten Look.
Unterfaden: Spule gleichmäßig und ohne Überkreuzungen wickeln Der Unterfaden entscheidet über die Stichqualität genauso wie der Oberfaden. Die Spule gleichmäßig und straff wickeln, ohne dass sich Fäden überkreuzen. Läuft der Faden ungleichmäßig auf, verkantet er sich in der Spulenkapsel und der Stich wird locker. Nach dem Wickeln die Spule in die Kapsel einlegen, den Faden durch die Kerbe führen und unter die Feder ziehen. Ein Klick oder ein leichter Widerstand zeigt, dass sie richtig sitzt. Die Kapsel dann in den Spulenkorb einsetzen, sodass der kleine Hebel in die Aussparung greift. Sitzt die Kapsel falsch, verheddert sich der Faden beim ersten Stich.
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