Wer den Leittrieb falsch liest, schneidet den Baum kaputt

Wer im Juni oder Juli zur Heckenschere greift, kann sich schnell strafbar machen. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet zwischen dem 1. März und dem 30. September jeden großflächigen Rückschnitt von Hecken, Büschen und anderen Gehölzen. Der Grund: In dieser Zeit brüten Vögel, und viele Insekten nutzen das dichte Grün als Lebensraum. Ein Verstoß ist keine Ordnungswidrigkeit unter ferner liefen – je nach Bundesland können empfindliche Geldbußen verhängt werden.

Warum die Korngröße über den Erfolg entscheid

Ein häufiger Fehler ist der Einsatz schwerer Geräte in der Schonzeit. Motorsensen, Heckenscheren mit großer Schnittbreite und Freischneider hinterlassen schnell großflächige Schäden. Wer nur mit der Handschere arbeitet und einzelne Zweige abschneidet, bleibt auf der sicheren Seite. Ein weiterer typischer Fehler: der Schnitt in den frühen Morgenstunden oder späten Abendstunden, wenn Vögel besonders aktiv sind. Besser ist der späte Vormittag, wenn die Tiere bereits gefüttert sind und weniger empfindlich reagieren.

Je feiner das Häckselgut, desto schneller wird es abgebaut. Grobe Stücke von mehreren Zentimetern Durchmesser verrotten langsam und bilden eine luftige Deckschicht, die Unkraut unterdrückt. Zu feines Material hingegen verklebt, verdichtet sich und lässt kaum Luft an den Boden. Wer einen Häcksler mit verstellbarer Messerwalze besitzt, sollte für Beete mittelgrob arbeiten, für Wege feiner. Ein häufiger Fehler ist es, nasses Holz zu häckseln: Das verstopft den Auswurf und führt zu unsauberen Schnitten. Hartes, trockenes Holz lässt sich leichter verarbeiten.

Gerüststämme werden über mehrere Jahre aufgebaut, nicht in einem Schnitt. In den ersten Standjahren wählt man drei bis vier gut verteilte Leitäste, die in unterschiedliche Himmelsrichtungen zeigen und in der Höhe versetzt ansetzen. Zwei Äste auf gleicher Höhe gegenüberliegend bilden einen sogenannten Quirl und engen den Stamm ein. Wer das übersieht, bekommt später eine Krone, die in der Mitte verkahlt. Beim Ableiten immer auf die Saftwaage achten: Ein zu stark geförderter Trieb wird zurückgenommen, ein zu schwacher bleibt stehen, damit die Achse nicht aus dem Gleichgewicht gerät.

Der Gerüststamm ist nicht der Stamm im botanischen Sinn, sondern die tragende Achse, aus der die späteren Gerüstäste hervorgehen. Beim Jungbaum erkennt man ihn an der durchgehenden, senkrecht nach oben strebenden Verlängerung. Alles, was diese Achse in einem spitzen Winkel überholt, ist ein Konkurrenztrieb und muss früh entfernt oder zumindest stark zurückgenommen werden. Typischer Fehler: Man lässt zwei gleich starke Spitzen stehen, weil beide gesund aussehen. Der Baum entscheidet dann selbst, welche er bevorzugt, und die andere verkümmert mit schrägem Ansatz — eine spätere Sollbruchstelle.

Nach dem Schnitt sollte der Boden nicht gemulcht werden, solange Nachtfröste drohen. Eine dünne Schicht Kompost oder Laub direkt über dem Horst hält die Feuchtigkeit zu lange und fördert Fäulnis. Besser ist es, den Schnitt bei trockenem Wetter durchzuführen und die Reste vollständig zu entfernen. Bleiben Halmstücke auf dem Boden liegen, können sie Schimmel ansetzen und die jungen Triebe infizieren. Wer die Halme kompostiert, sollte sie vorher häckseln, damit sie schneller verrotten.

Die zweite Gruppe – Rispenhortensien und Schneeballhortensien – blüht am neuen Holz. Ihre Knospen entstehen erst im Frühjahr an den frisch austreibenden Trieben. Diese Sorten vertragen einen kräftigen Rückschnitt im zeitigen Frühjahr, solange kein starker Frost mehr droht. Ein Rückschnitt auf 30 bis 50 Zentimeter über dem Boden fördert kräftige Neutriebe und große Blütenrispen. Wer hier im Spätsommer schneidet, nimmt der Pflanze die Anlage für das nächste Jahr. Ein weiterer Fehler: Ein zu später Schnitt im Mai, wenn die neuen Triebe schon Knospen tragen, entfernt diese ebenfalls.

Was in der Schonzeit trotzdem erlaubt bleibt Erlaubt sind sogenannte schonende Pflegemaßnahmen: das Zurückschneiden einzelner überhängender Zweige, das Auslichten dünner Triebe und der Rückschnitt von Gehölzen, die auf den Stock gesetzt werden müssten, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Auch das Entfernen von Totholz ist zulässig, sofern keine aktiven Nester betroffen sind. Vor jedem Schnitt lohnt ein prüfender Blick in die Hecke: Sitzt ein Nest mit Eiern oder Jungvögeln darin, ist die Stelle tabu – unabhängig davon, wie dringend der Rückschnitt erscheint. Wer unsicher ist, wartet besser bis Oktober oder holt sich fachlichen Rat.

Ein häufiger Fehler ist der Schnitt in der Vegetationsruhe ohne Kontrolle der Triebrichtungen. Besser ist es, den Baum im belaubten Zustand zu lesen und erst dann zu markieren, was weg soll. Auch das Entfernen aller Konkurrenztriebe auf einmal ist riskant: Der Baum antwortet mit verstärktem Austrieb an genau diesen Stellen. Besser über zwei Jahre verteilt ausdünnen. Und wer den Leittrieb zu stark einkürzt, fördert steile Neutriebe, die wiederum zu Konkurrenten werden — ein Kreislauf, der die Krone verdichtet.

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