Welche Augen zählen beim Rebschnitt, wenn der Ertrag stimmen soll?

Beim Rebschnitt entscheidet nicht die Zahl der Knospen pro Rebe über den Ertrag, sondern die Zahl der Augen pro Quadratmeter Rebfläche. Ein Auge ist eine Knospe am einjährigen Holz, aus der im Frühjahr ein Trieb mit Trauben austreibt. Wer den Ertrag dosieren will, muss also nicht die Rebe, sondern die Fläche rechnen. Der Richtwert liegt je nach Sorte, Lage und Erziehungsform meist zwischen acht und zwölf Augen pro Quadratmeter. Diese Zahl ist die Grundlage, alles andere leitet sich davon ab.

Langfristig produktiv bleibt eine Rebe nur, wenn man die Erneuerung plant. Der einäugige Zapfen ist kein Dauerzustand für denselben Ansatz. Nach zwei bis drei Jahren wandert der Zapfen an eine andere Stelle am Stamm oder am Kordon. Sonst entsteht eine Kahlzone, aus der kein Austrieb mehr kommt. Wer jedes Jahr am gleichen Punkt schneidet, verliert dort die Knospen und muss später mit langen, unkontrollierten Trieben reagieren. Besser ist es, von Anfang an einen zweiten Zapfen in Reserve zu halten und ihn bei Bedarf als Ersatz zu nutzen.

Die Platzierung am Draht ist ebenso wichtig wie der Schnitt. Der Zapfen wird so gebunden, dass der spätere Fruchttrieb leicht nach unten oder zur Seite wachsen kann, nicht senkrecht nach oben. Ein senkrechter Austrieb wächst stark und verrieselt, ein flach gezogener Austrieb bleibt kompakt und bildet gleichmäßige Trauben. Bei jungen Reben schneidet man den einäugigen Zapfen etwas länger, etwa drei Zentimeter, damit die Knospe vor mechanischem Schaden beim Biegen geschützt ist. Bei älteren Reben darf er kürzer sein, weil das Holz stabiler ist.

Frisches Holz aus dem Winterschnitt enthält viel Zucker und Feuchtigkeit. Wird es sofort gehäckselt und dick auf Beete aufgebracht, beginnt es zu gären. Dabei entziehen Mikroorganismen dem Boden Stickstoff, und die Pflanzen darüber hungern. Der typische Fehler: eine dicke Schicht reinen Holzhäcksels direkt an Stauden oder junge Gehölze. Besser ist es, das Material einige Wochen abzulagern, damit es vorreif, oder es mit weichem Grünmaterial zu mischen.

Nach dem Schnitt folgt die Kontrolle. Pro Parzelle werden einige Reben ausgezählt und die Augen pro Quadratmeter hochgerechnet. Weicht das Ergebnis stark vom Zielwert ab, wird nachjustiert, solange das Holz noch liegt. Ein weiterer Fehler ist, den Schnitt auf einen einzigen Tag zu legen und danach nicht mehr hinzusehen. Reben reagieren auf Witterung und Vorjahresertrag, deshalb sollte die Augenzahl jedes Jahr neu bestimmt werden. Wer nur einmal rechnet und danach immer gleich schneidet, verliert die Kontrolle über den Ertrag.

Die Verteilung der Augen auf der Rebe ist ebenso wichtig wie ihre Zahl. Alle Augen auf einen langen Bogen zu legen belastet die Basis und lässt die Spitze verkahlen. Besser ist eine Mischung aus kurzen Zapfen am alten Holz und einem oder zwei längeren Fruchtruten, je nach Erziehungssystem. Bei schwacher Holzentwicklung wird die Augenzahl nach unten korrigiert, bei kräftigen Reben nach oben. Wer die gleiche Zahl über alle Reben verteilt, ignoriert die Unterschiede im Boden und im Wuchs und verliert Ertrag oder Qualität.

Die Schnittfläche sollte nicht gestrichen werden, solange sie sauber und glatt ist. Wundverschlussmittel sind nur bei großen Wunden an Obstgehölzen sinnvoll, und auch dort nur dünn. Ein dicker Film behindert die natürliche Abschottung. Typischer Fehler: das großzügige Einschmieren mit Baumwachs, das Feuchtigkeit staut und Fäulnis fördert. Ebenso falsch ist es, alle Triebe gleichzeitig zu kürzen. Wer zu viel auf einmal entfernt, zwingt die Pflanze zu Notaustrieb und schwächt die Fassade für die gesamte Saison.

Nach dem Schnitt bleibt ein Strauch mit etwa acht bis zwölf kräftigen Trieben stehen. Wer unsicher ist, kann im ersten Jahr nur die ältesten drei bis vier Ruten entfernen und den Rest im folgenden Jahr nachholen. Die Pflanze reagiert auf einen zu starken Eingriff mit vielen neuen Bodentrieben, die dann wieder ausgedünnt werden müssen. Ein gleichmäßiger, jährlicher Schnitt ist wirksamer als ein radikaler Eingriff alle paar Jahre. Wer das beachtet, erntet mehr und größere Beeren.

Der Schnitt selbst: Reihenfolge, Winkel und Länge Der Schnitt erfolgt in zwei Schritten. Zuerst wird der Zapfen auf etwa zwei Zentimeter über der Knospe gekürzt. Der Schnitt läuft schräg von der Knospenbasis weg, damit Wasser abläuft und die Knospe nicht im Nassen steht. Danach wird der Zapfen an der Basis sauber vom mehrjährigen Holz getrennt, ohne einen Stumpf zu hinterlassen. Ein Stumpf fault, zieht Pilze an und zerstört genau die Knospe, die man erhalten wollte. Typische Fehler sind ein zu langer Zapfen, ein Schnitt direkt über der Knospe und das Stehenlassen mehrerer Augen als vermeintliche Absicherung. Wer drei Augen stehen lässt, bekommt drei Triebe, die sich gegenseitig beschatten, und am Ende trägt keiner sauber.

Der erste Schritt ist die Bestandsaufnahme. Zunächst wird der Reihenabstand gemessen, dann der Stockabstand in der Reihe. Aus beiden Werten ergibt sich die Fläche pro Rebe. Bei einem Reihenabstand von zwei Metern und einem Stockabstand von einem Meter steht jede Rebe auf zwei Quadratmetern. Bei zehn Augen pro Quadratmeter dürfen dann zwanzig Augen auf dieser Rebe stehen. Wer diese Rechnung überspringt, schneidet nach Gefühl und liegt fast immer zu hoch. Zu viele Augen bedeuten zu viele Triebe, zu viele Trauben und am Ende dünne, unreife Beeren.

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